Das Fachgebiet von Utz-Hellmuth Felcht ist Chemie, nicht Diplomatie. Mit ihrem künftigen Chefaufseher könnte der Bahn schon bald die Neuauflage eines alten Kampfes bevorstehen.
von Klaus Max Smolka
und Leo Klimm
Bei Utz-Hellmuth Felcht fahren die Züge immer pünktlich - jedenfalls bei seiner Märklin-Anlage daheim. Selbst im Büro klappt der 63-jährige Chemiemanager gern mal einen Koffer mit einer Minilandschaft auf. Dann zuckelt eine Spielzeugbahn an einem Dorf vorbei und einen Berghang hoch.
Utz-Hellmuth Felcht
Nun soll Felcht auch die Kontrolle über die echte Deutsche Bahn übernehmen. Verkehrsminister Peter Ramsauer setzte am Wochenende den früheren Chef der Chemiefirma Degussa als Aufsichtsratschef für die Staatsbahn durch.
Bahn-Kenner rechnen damit, dass mit Felchts Berufung ein alter Kampf eine Neuauflage findet. Denn Felcht folgt auf Werner Müller, den früheren Chef des Mischkonzerns RAG, heute Evonik. Müller hatte Felcht nach der Übernahme Degussas 2006 in einem Machtkampf innerhalb des Konzerns ausgebootet. Und Felcht trifft bei der Bahn auf einen alten Bekannten: Ulrich Weber, seinerzeit Personalvorstand bei RAG, übt diese Funktion heute bei der Bahn aus. Während des Machtkampfs bei RAG stand Weber klar an Müllers Seite.
Felcht ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil seines politisch versierten Vorgängers. Diplomatie ist wahrlich nicht Felchts Metier. Schnarrende Stimme, schnoddrige Wortwahl - wenn er sich ärgert, kommt das recht geradeheraus. Mitarbeiter beschreiben ihn als stur und zuweilen ruppig. Aber sie loben, dass Felcht sich nicht mit Schmeichlern umgibt, konstruktive Kritik gutheißt und nicht nachtragend ist. Auch seine Loyalität kommt gut an. "Papa Felcht sorgt für die Seinen", hieß es schon bei Hoechst.
Bei dem Frankfurter Pharma- und Chemiekonzern verbrachte er die längste Zeit seines Berufslebens, bevor er sich als Vorstand mit Hoechst-Chef Jürgen Dormann über die Zerschlagung zerstritt. Felcht wechselte zu dem Chemieunternehmen SKW Trostberg, das 2000 mit Degussa-Hüls zur neuen Degussa fusionierte.
Nach seinem Abgang von Evonik blieb der promovierte Chemiker seiner Branche treu, für die er sich auch nach außen erkennbar begeistert. Bei SGL Carbon und Ciba saß er im Aufsichtsrat, für den Finanzinvestor OEP kontrolliert er dessen Beteiligung Süd-Chemie mit.
In sein neues Amt kommt Felcht mit dem Makel, nicht erste Wahl gewesen zu sein. Dafür hat er den Vorteil, einen kurzen Draht zu Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zu haben. Seine alte Firma SKW Trostberg lag in Ramsauers Wahlkreis. Im Aufsichtsrat fürchtet man indes, das sei eher ein Manko: Felcht könnte Schwierigkeiten haben, sich einem Rückwärtstrend zum politisierten Staatskonzern zu widersetzen. Tatsächlich ist seit dem Scheitern des Börsengangs 2008 die Ausrichtung der Bahn als privatwirtschaftlich geführter Konzern unklar. Ramsauer betont in letzter Zeit immer wieder die Gemeinwohlverpflichtung der Bahn. Damit bleibt auch Felchts Rolle noch ausgesprochen unklar.
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