Kopf des Tages:Joël Saveuse - Wichtiger als Ribéry
Der Einzelhändler Metro zerschlägt seine größte Sparte. Deren Chef Frans Muller wird entmachtet, stattdessen soll Vorstandskollege Joël Saveuse die Krise im 25 Mrd. Euro schweren Kerngeschäft meistern. Kann der das?
von Henning Hinze
Wer Bormes-les-Mimosas kennt, die Heimat von Joël Saveuse, der ahnt, warum der Manager mit dem Gedanken gespielt hat, seinen 2011 auslaufenden Vertrag beim Metro-Konzern nicht zu verlängern. Das 7000-Seelen-Städtchen liegt unweit von Saint-Tropez in einer kleinen Bucht, zum Mittelmeer hin abgeschirmt durch die vorgelagerten Îles d'Or, die unter Nudisten und Seglern berühmten Goldinseln. Der Hafen ist zu verwinkelt für die großen Jachten, der Ortskern eher idyllisch als mondän. Saveuse besitzt hier ein Haus, schon lange liebäugelt er mit dem beschaulichen Dasein als Privatier.
Metro-Chef Joel Saveuse
Indes, der Lebensabend muss warten. Der Franzose Saveuse, Metro-Vorstand seit 2008, steigt beim Düsseldorf Einzelhändler zum wichtigsten Manager hinter Konzernchef Eckhard Cordes auf. Nachdem der 56-Jährige die Problemtochter Real einigermaßen saniert hat, soll er nun zusätzlich die wichtigste Konzernsparte auf Vordermann bringen: das Cash & Carry genannte Großhandelsgeschäft. Die Verlängerung des Vertrags bis mindestens 2013 ist nur noch Formsache. Damit bindet er sich etwa so lange wie Cordes.
Wo einer gewinnt, da verliert in der Regel auch einer, und im Falle von Metro ist das der Niederländer Frans Muller, der das Großhandelsgeschäft bislang führt. Die Sparte wird nun aufgespalten, Muller ist in Zukunft nur noch für Cash & Carry in den asiatischen Wachstumsmärkten und die weitere Expansion dort zuständig; 5,2 Mrd. Euro erlöst Metro dort bislang. Die vom Umsatz her fünfmal größeren Großhandelsaktivitäten in Europa, dem Nahen Osten und Afrika fallen dagegen in Saveuses Verantwortung - und damit auch das dramatisch schrumpfende Deutschlandgeschäft.
Muller hatte den Bereich, den Saveuse nun übernimmt, als restrukturierungsbedürftig bezeichnet, er hatte Konzepte entwickelt und mit der Umsetzung begonnen - bloß: Zum eigentlichen Sanierer soll jetzt sein Vorstandskollege werden. Bei Real hat Saveuse gezeigt, dass er der Richtige für den Job sein könnte. Cordes hält ihm vor allem zugute, dass er die Stimmung unter Mitarbeitern und Kunden verbessert habe. Dabei kam Saveuse sein sympathisches französisches Idiom zugute: Es nahm seinen Auftritten die Schärfe, wenn etwa er bei Filialbesichtigungen Mitarbeitern kritische Fragen stellte.
"Wir werden ein Management-Team haben, zwischen das kein Blatt passt", hat Cordes am Mittwoch behauptet. Und das Gespann Muller/Saveuse mit dem Gespann Robben/Ribéry beim FC Bayern verglichen, das ja auch gemeinsam am stärksten sei. Der Vergleich hinkt: In München hat der Holländer ja zuletzt dem Franzosen den Rang abgelaufen. In Düsseldorf ist es genau umgekehrt.
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