Die Sätze der Politiker krachen durch den Presseraum am Flughafen Schönefeld, und der sonst so stramme Rainer Schwarz wird noch ein paar Zentimeter kleiner. Rechts neben dem Flughafenmanager sitzt Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit, einen Stuhl weiter Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, beide schimpfen über eine "böse Überraschung". Schwarz lässt die Worte auf sich einprasseln, starrt auf die Zettel vor ihm, umklammert sein linkes Handgelenk. Als aller Ärger in der Luft hängt, darf auch der 55-Jährige noch etwas Persönliches sagen: "Ich kann mich wirklich auch nur entschuldigen." Wowereit verzieht keine Miene. Dann fragt einer der Journalisten, ob Schwarz zurücktreten werde.
Es war der finsterste Tag in der Karriere des Managers, der sich über die Jahre den Ruf als Macher erarbeitet hat und der in der Hauptstadt seine Laufbahn krönen wollte: Der Großflughafen Berlin-Brandenburg sollte am 3. Juni unter seiner Regie endlich in Betrieb genommen werden - ein Milliardenvorhaben und Prestigeprojekt. Doch am Dienstag musste der Macher eingestehen, dass er nicht liefern kann. Für Berlin ist die Verzögerung eine Blamage - und Schwarz steht in der Öffentlichkeit als der Mann da, der das zu verantworten hat. Sein Vertrag läuft noch bis 2016. Branchenkenner bezweifeln, dass er ihn erfüllen wird.
Dabei war der gebürtige Essener vor sechs Jahren angetreten als jemand, der Projekte vorantreiben und sich in der Hauptstadt durchsetzen kann - wie er es seine ganze Karriere lang getan hat. 1988 wechselte der promovierte Betriebswirt als Branchenfremder auf den Posten des Finanzchefs beim Flughafen München. Als Exot sei er damals wahrgenommen worden, sagte er einmal. Wer als Wissenschaftler in die Luftfahrtbranche wechselt, braucht eines: den Willen, sich durchzubeißen.
Schwarz beißt zu. Ohne größere Emotionen für Flugzeuge, dafür im Ruf eines kühlen Analytikers steigt er auf: 1996 wird er Geschäftsführer am Flughafen Nürnberg, ab 2001 leitet er den Düsseldorfer Flughafen. Dort baute er um, gliedert aus, verschlankt Strukturen - und machte den Standort hochprofitabel. Als "unglaublichen Schaffer" loben ihn Weggefährten, die ihm wohlgesonnen sind. Kritiker werfen ihm Arroganz und intransparentes Handeln vor.
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Vielleicht nicht trotz, sondern wegen dieses Rufs erscheint Schwarz als Idealbesetzung für das Mammutprojekt Berlin mit komplizierter Interessenlage. Als in der Hauptstadt Protest gegen Flugrouten und Lärmbelästigung anschwillt, zeigte er wenig Verständnis. Es gehe schließlich um die Wirtschaftlichkeit eines Milliardenprojekts. Vor zwei Jahren musste Schwarz die Eröffnung schon einmal verschieben, damals wegen der Einführung von Flüssigkeitsscannern. Doch der Manager verspricht Berlin im gleichen Jahr, mit dem Neubau in eine "ganz andere Liga" vorrücken zu können. Kurz darauf wurde sein Vertrag um fünf weitere Jahre verlängert.
Doch nun, da die Blamage da ist, bei denen viele Mächtige einen Ruf zu verlieren haben, könnte das Desaster Schwarz selbst den Kopf kosten. Erst am Montag war er in der Berliner Presse damit zitiert worden, dass der Flughafen womöglich bald nach der Eröffnung ausgebaut werden müsse - groß denken, immer weitermachen. Am Dienstag dann urteilte "Bild" auf der Internetseite: "Dieses Duo blamiert ganz Deutschland", darunter ein Foto von Schwarz und seinem Chefplaner Manfred Körtgen.
Vor einem Jahr warnte Schwarz im FTD-Interview vor der Komplexität eines Flughafenbaus: Überall lauerten Fehlerquellen, "das Problem ist am Ende ein Eichhörnchen". Nun ist es der Brandschutz, der ihm 26 Tage vor der geplanten Einweihung einen Strich durch die Rechnung macht.