Die Lufthansa schlägt einen härteren Sparkurs ein: Zahlreiche Jobs werden laut Konzernchef Christoph Franz in einer neuen Kostensenkungsrunde überflüssig. Vom Umsatz bleibe nicht genug in der Kasse - in den ersten neun Monaten habe Lufthansa nur eine operative Rendite von 3,1 Prozent erzielt, sagte der Konzernlenker am Mittwoch. "Mit der Marge können wir auf die Dauer die Zukunft des Unternehmens nicht sichern." Die hohe Tankrechnung frisst die Gewinne fast ganz auf, zudem befürchtet Franz, dass viele Plätze in den Flugzeugen wegen der Eurokrise leer bleiben.
Deshalb müssten zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, die das Management derzeit erarbeite, sagte er. "Lufthansa ist auf dem richtigen Weg, aber wir sind noch nicht da angekommen, wo wir stehen wollen." Klar sei bereits, dass bis Ende des Jahres 34 Flugzeuge weniger eingesetzt werden sollen. Das hieße, dass 2000 Flugbegleiter und 500 Piloten weniger gebraucht werden als geplant.
Erreicht werden solle das unter anderem durch einen Einstellungsstopp. Wie Lufthansa mit den Beschäftigten umgehe, die zu viel an Bord seien, werde in der Schlichtung mit Ufo debattiert. Die Gewerkschaft Ufo vertritt die rund 18.000 Flugbegleiter der Kranichlinie. Nach einer Streikwelle der Flugbegleiter im Sommer ringen die Streitparteien seit einem Monat in einer Schlichtung um einen Tarifkompromiss.
Gleichzeitig streicht die Airline ihr Sitzplatzangebot weiter zusammen. Im Winterflugplan sei geplant, die Kapazitäten um drei Prozent zu senken, sagte Finanzchefin Simone Menne. Bislang war eine Kürzung um 2,5 Prozent angepeilt. Die Aussichten für das vierte Quartal seien unsicher, da die Kunden zögerlich buchten. Das Angebot könnte noch weiter zurückgefahren werden, sagte Franz. "Das hätte auch entsprechende Folgen für die Arbeitsplätze, was sich leider nicht vermeiden lässt." Die laufende Schlichtung mit Ufo dürfte dadurch schwieriger werden, sagte Airline-Analyst Robert Czerwensky von der DZ Bank.
Ganz unerwartet kommt der Sparplan 2.0 nicht. Franz hatte bereits Ende September gewarnt, dass die bisherigen Maßnahmen wegen der Eurokrise und der hohen Spritpreise nicht reichten, um wie geplant den operativen Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Mrd. Euro zu steigern.
Zentraler Pfeiler des Programms namens "Score" sind Stellenstreichungen: In den nächsten Jahren sollen allein in Deutschland 2500 Verwaltungsjobs wegfallen - weltweit werden 3500 der knapp 17.000 Jobs in dem Segment gekappt. Insgesamt zählt die Lufthansa knapp 120.000 Mitarbeiter. Eine weitere wichtige Maßnahme: Ab nächstem Jahr übernimmt die Billigtochter Germanwings einen Teil ihrer Strecken in Deutschland und Europa.
Einer der größten Kostenposten der Lufthansa ist die Tankrechnung. Allein in diesem Jahr dürften die Ausgaben für Flugzeugsprit um 1,1 Mrd. Euro auf 7,4 Mrd. Euro steigen, teilte der Konzern mit.
Dabei liefen die Geschäfte bei der Lufthansa im vergangenen Quartal rund. Der operative Gewinn nahm im Zeitraum von Juli bis Ende September um 6,2 Prozent auf 648 Mio. Euro zu. Das war weit mehr als die von Analysten erwarteten 522 Mio. Euro. Der Konzernumsatz zog um 6,2 Prozent auf 8,3 Mrd. Euro an.
Rund lief es etwa beim Cateringableger LSG Sky Chefs. Aber auch im Fluggeschäft erwirtschaftete der Kranich-Konzern mehr Gewinn - hier zahlte sich die Sanierung von Austrian Airlines aus, und auch die Schweizer Airline Swiss flog weiterhin profitabel. Der Konzern strebt im Gesamtjahr weiterhin einen operativen Gewinn in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe an.
Die Anleger griffen zu: Lufthansa-Aktien stiegen bis zu acht Prozent auf ein 14-Monats-Hoch von 11,86 Euro. Das ist der größte Tagesgewinn seit drei Jahren. Auch Air France-KLM waren gefragt: Die Aktien stiegen um gut sieben Prozent. Die Fluggesellschaft hat im dritten Quartal den operativen Gewinn um 28 Prozent auf 506 Mio. Euro gesteigert. Der Umsatz legte um sechs Prozent auf 7,2 Mrd. Euro zu. Air France-KLM hält daher am Ziel fest, das Ergebnis im zweiten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr zu steigern und die Schulden abzubauen.