Ein Lastwagen der Geldtransportfirma Heros
Das teilte die Deutsche Bundesbank am Dienstag in Frankfurt am Main mit. Kunden der Kreditwirtschaft brauchten wegen der Insolvenz der Heros-Gruppe nicht mit Engpässen bei der Bargeldversorgung zu rechnen.
Vertreter der im Zentralen Kreditausschuss (ZKA) vertretenen Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft und der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) hätten am Dienstag Gespräche geführt, um die bei Unternehmen der Heros-Gruppe entstehenden Transportausfälle aufzufangen. Die Deutsche Bundesbank habe eine flexible Handhabung der Öffnungszeiten sowie der Ein- und Auszahlungsmodalitäten in ihren Filialen zugesagt.
Freie Kapazitäten nutzen
Der stellvertretende BDGW-Vorsitzende Hans-Jörg Hisam sagte der Nachrichtenagentur AP, eine "Notversorgung" werde wohl gewährleistet. Allerdings habe Heros einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent. Um dies aufzufangen, sollten freie Kapazitäten genutzt werden, Überstunden anfallen und Geldtransport-Touren so gelegt werden, dass betroffene Kunden mit aufgenommen werden könnten. Außerdem werde "geschultes Personal aus dem Überwachungsbereich mit eingesetzt", erklärte Hisam.
Die "Stuttgarter Nachrichten" berichteten zudem, der Neckarsulmer Discounter Lidl habe seine Zusammenarbeit mit Heros beendet. Ein Lidl-Sprecher sagte der Zeitung zufolge, es seien "Unregelmäßigkeiten" aufgetreten. Daher sei die Zusammenarbeit schon im Jahresverlauf 2005 "leicht zurückgefahren" und zum Jahresende schließlich beendet worden.
Trotz der Insolvenz läuft der Betrieb nach Angaben einer Heros-Sprecherin normal weiter. "Soweit ich weiß, fahren wir alle unsere Touren", sagte sie. Wie lange dies in Zukunft noch möglich sein werde, wisse sie nicht. Weitere Auskünfte wollte sie nicht geben. Der Insolvenzverwalter sei im Hause und prüfe die Unterlagen. Heros-Mitarbeiter sollen Geld unterschlagen und 300 Mio. Euro Schaden angerichtet haben.
Einzelhändler setzen auf Geldtransporteure
Die Einzelhändler hofften, dass nötigenfalls andere Geldtransporteure für den insolventen Branchenführer einsprängen, sagte eine Sprecherin des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Die genauen Auswirkungen würden wohl erst in den nächsten Tagen deutlich. "Wir gehen davon aus, dass die Insolvenz keinen großen Einfluss auf den Einzelhandel hat."
Bei den Ermittlungen geriet die Firmenleitung ins Visier der Staatsanwaltschaft. Zwei der Verhafteten seien der Unternehmensführung zuzurechnen, zwei der Ebene darunter, sagte Staatsanwalt Norbert Jansen. Einer der Verdächtigen habe zwei Hotels in Bulgarien gebaut, berichtete der "Kölner Stadtanzeiger". "Wir ermitteln nicht gegen Geldtransport-Fahrer", sagte Jansen. Das Unternehmen hatte nach Bekanntwerden des Falls Insolvenz für 23 Tochterunternehmen angemeldet.
Zur Frage, wie die Beschuldigten lange Zeit unbemerkt 300 Mio. Euro abzweigen konnten, machten die Ermittler am Dienstag aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben. Nach der Durchsuchungsaktion vom Freitag müsse nun erst das beschlagnahmte Material gesichtet und sortiert werden.
Verdi fordert Erhalt der Arbeitsplätze
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert die gesamte Branche zum Erhalt der rund 4000 bedrohten Arbeitsplätze auf. Verdi-Vorstand Dorothea Müller sprach sich zugleich für eine Neuordnung der Branche aus.
In der Pflicht sieht die Gewerkschaft auch den schwedischen Konzern Securitas. Deren deutsche Geld- und Wertdienste waren nach Angaben von Verdi Ende November an Heros verkauft worden, obwohl klar gewesen sei, dass sich Heros nicht an allgemein verbindliche Tarifverträge halte. Auch habe Heros die gesamte Branche mit Dumping-Angeboten unterboten. Müller forderte Securitas und alle anderen Unternehmen der Geld-Wert-Branche auf, nicht nur Aufträge von Heros zu übernehmen, sondern auch die Beschäftigten.