11.11.2009, 17:21
Krisentreffen In Essen: Quelle-Ausverkauf kostet 30 Millionen im Monat
Das Aus des einst größten europäischen Versandhändlers steht fest. Auf der Zusammenkunft der Quelle-Gläubiger erzählte der Insolvenzverwalter auch, wie der Resteverkauf abläuft.
Die Organisation des Schlussverkaufs bei Quelle verschlinge im Monat 30 Mio. Euro. Dies sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bei der Gläubigerversammlung in Essen. Die Jagd auf die letzten 18 Millionen Waren laufe auf Hochtouren. Im Logistikzentrum in Leipzig würden derzeit bis zu 250.000 Teile pro Tag ausgeliefert, am Wochenende werde die millionste Bestellung erwartet.
Die Kunden haben im Schlussverkauf 14 Tage Zeit zu zahlen. Das Lager wurde zuletzt mit 130 Mio. Euro bewertet, vor der Insolvenz waren es noch 300 Mio. Euro.
Quelles Gläubiger versammelten sich am Mittwoch in der Ruhrgebietsstadt, um die Abwicklung des insolventen Versandhändlers zu beschließen. Nach mehrstündiger Diskussion verzichteten sie am Nachmittag schließlich auf eine Abstimmung über die Zukunft des Traditionsunternehmens. Ein Antrag auf eine Quelle-Fortführung wurde nicht mehr gestellt.
"Wenn die Investoren absagen, muss man das zur Kenntnis nehmen", hatte Rechtsanwalt Hans-Gerd Jauch in der mit nur wenigen Gläubigern besetzten Grugahalle zuvor gesagt. Als Partner von Insolvenzverwalter Görg war Jauch in die erfolglose Investorensuche eingebunden.
Von 30 Interessenten hätten vier ein unverbindliches Angebot für die
Arcandor -Tochter abgegeben, sagte Görg. Zu einem Vertragsabschluss sei jedoch schließlich niemand bereit gewesen.
Das Quelle-Treffen war die dritte Zusammenkunft von Betroffenen der Arcandor-Pleite in dieser Woche. Am Vortag hatten die Karstadt-Gläubiger grünes Licht für Görgs Insolvenzplan gegeben und die Fortführung der Einzelhandelskette beschlossen. Sie soll als Ganze verkauft werden, sechs Standorte werden Anfang nächsten Jahres geschlossen. Am Montag war es um die Konzernholding Arcandor gegangen, die abgewickelt werden soll.
Harsche Kritik an Görg
Mitarbeiter und Lieferanten von Quelle kritisierten Görg für den Umgang mit dem Unternehmen. Das abrupte Aus für Quelle vor drei Wochen habe die Belegschaft
völlig überrascht, nachdem Görg Hoffnungen auf einen Investor geschürt habe, sagten Betriebsräte. "Die Mitarbeiter fühlen sich von ihnen verarscht", sagte ein Redner. Betriebsratschef Ernst Sindel warf Görg vor, bei vielen Entlassungen "menschenunwürdig" agiert zu haben. Es gehe um die "Aufarbeitung einer Katastrophe". Mehrere Lieferanten forderten die Einsetzung eines Sonder-Insolvenzverwalters, um Görgs Vorgehen unter die Lupe zu nehmen.
Kursinformationen und Charts
Den letzten Ausverkauf hätte sich Quelle beinahe nicht mehr leisten können, sagte Jauch. Nur die Erklärung der Masseunzulänglichkeit, infolge der die Lieferanten seit der Insolvenzeröffnung wohl größtenteils leer ausgehen, habe dies verhindert.
Die flüssigen Mittel seien so gut wie erschöpft gewesen, nachdem die Banken die Vorfinanzierung der Ratenzahlungen mit dem Scheitern des Verkaufs eingestellt hatten. "Dies hätte Quelle jedoch jeder Möglichkeit einer geordneten Liquidation beraubt", sagte Jauch. Dann hätten alle 3400 Mitarbeiter sofort freigesetzt und das Warenlager sich selbst überlassen werden müssen.
Teil 2: Jahrelanges Warten auf ein bisschen Geld
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FTD.de, 11.11.2009
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