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Merken   Drucken   12.03.2006, 21:35 Schriftgröße: AAA

Kuoni will in Deutschland zukaufen

Der führende Schweizer Touristikkonzern Kuoni hält nach Übernahmekandidaten Ausschau und hat dabei auch den deutschen Markt im Visier. "Wir glauben weiterhin an ein starkes organisches Wachstum, aber auch an Expansion durch Zukäufe." von Jenny Genger, Berlin
Führende europäische Reiseveranstalter nach Ebita-Margen   Führende europäische Reiseveranstalter nach Ebita-Margen
Das sagte Vorstandschef Armin Meier der FTD. Dabei habe das Unternehmen nicht nur die asiatischen Wachstumsmärkte im Blick. "Auch in den gesättigten europäischen Märkten haben wir mit unserer Ausrichtung als Premium- und Spezialanbieter durchaus Wachstumsmöglichkeiten", so der seit einem Jahr amtierende Kuoni -Chef. "Wir schließen nicht aus, dass es auch in Deutschland noch Zukaufsmöglichkeiten in unserem Segment gibt und sind offen für Gespräche."
Damit will der nach Umsatz sechstgrößte europäische Reisekonzern sich ausgerechnet in dem Geschäftsfeld weiter ausbreiten, das auch die in Deutschland beheimateten Marktführer TUI , Thomas Cook und die Rewe Touristik gerade stärker in Angriff nehmen wollen. Denn vor allem mit margenträchtigen Premiumprodukten versprechen sie sich noch gute Wachstumschancen. Die sind derzeit ebenso wie Billig- und Spezialangebote stark gefragt, während die Pauschalreise im mittleren Preissegment stetig unter Druck gerät.
Meier traut sich Zukäufe zu, obwohl die Bilanz des Unternehmens derzeit durch Abschreibungen auf fehlgeschlagene Investments kräftig belastet wird. "Wir haben praktisch keine Schulden und eine gute Eigenkapitalquote, die 2004 bei 36 Prozent lag. Damit können wir uns einiges leisten", sagte der 48-Jährige. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2005 gibt Kuoni am Donnerstag bekannt. Die flüssigen Mittel des Konzerns schätzen Analysten auf rund 265 Mio. Schweizer Franken (169 Mio. Euro).
Fusion eine mögliche Option
Allerdings wird das Unternehmen für das abgelaufene Jahr durch hohe Abschreibungen möglicherweise einen Nettoverlust ausweisen. Dazu trägt vor allem der Bau eines 240 Mio. Franken teuren Luxus-Resorts des Schweizer Hotelbetreibers Ferienverein auf Fuerteventura bei. Dem Unternehmen, an dem Kuoni zu 35 Prozent beteiligt ist, droht die Insolvenz. Daneben belasten Kuoni ein Buchverlust aus dem Verkauf des US-Luxusreiseanbieters Intrav und Einbußen durch die Folgen der Tsunami-Katastrophe.
Dennoch hat der Vorstand für 2005 eine operative Marge von über drei Prozent in Aussicht gestellt. Damit zählt das 100 Jahre alte Unternehmen bei einem Umsatz von voraussichtlich 3,6 Mrd. Franken zu den profitabelsten der Branche. "Drei bis vier Prozent Rendite sind in dieser Branche ein gutes Ergebnis, aber wir sind damit noch nicht am Ende angelangt", sagte Meier. Das operative Ergebnis solle vor allem durch Expansion und effiziente Prozesse gesteigert werden.
Auf welche Übernahmekandidaten es Kuoni in Deutschland abgesehen haben könnte, ist Branchenexperten indes unklar. "Wir sehen da Entwicklungspotenzial in Spezialprodukten wie begleiteten Rundreisen, Abenteuerurlaub oder Wellnessreisen", sagte Meier lediglich. Einen festen Zeitrahmen für Kaufabschlüsse habe er sich nicht gesetzt. Größere Anbieter wie Airtours, Dertour oder Thomas Cook Reisen sind ohnehin in Besitz der Marktführer. Als in jüngerer Zeit Gerüchte über den Verkauf von Thomas Cook aufkamen, hatten die Schweizer Interesse an der Tochter von Lufthansa  und KarstadtQuelle . "Mit den Flug- und Hotelkapazitäten passte Thomas Cook nicht zu uns", so Meier nun. Obwohl der zweitgrößte europäische Touristikkonzern nach der Sanierung einen Strategiewechsel angekündigt hat, werde kein Angebot mehr für Thomas Cook geprüft.
Beim angestrebten Wachstumskurs schließt Meier auch die Fusion mit einem Wettbewerber nicht aus: "Bislang sind wir aus eigener Kraft ganz gut gewachsen. Unabhängigkeit um jeden Preis ist jedoch nicht unser Ziel." 1999 war der Zusammenschluss mit der britischen First Choice geplatzt.
  • Aus der FTD vom 13.03.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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