Die Lufthansa ist seit 1997 vollständig privatisiert. Aber in ihrer Tarifstruktur mutet sie noch immer wie ein Staatsbetrieb an. Da zählt nicht in erster Linie Leistung, da gilt das Senioritätsprinzip. Je grauer die Schläfen werden, desto mehr verdient ein Flugbegleiter. Diese beamtenähnliche Vergütungsstruktur mit mehr als einem Dutzend Gehaltsstufen mag noch zeitgemäß gewesen sein, als die Lufthansa eine Staatsairline war und mit wenigen anderen europäischen und amerikanischen Großfluggesellschaften konkurrierte. Heutzutage, im Wettbewerb mit vielen Billigfluglinien, ist sie es nicht mehr.
Deshalb ist es keine Zumutung, wenn die Lufthansa dieses Prinzip bei den Tarifverhandlungen zurückstutzen will. Sie verlangt zudem eine niedrigere Überstundenvergütung und monatlich zwei Stunden Mehrarbeit, hat im Gegenzug aber auch etwas zu bieten: ein Gehaltsplus von 3,5 Prozent und drei Jahre Bestandsschutz - keine betriebsbedingten Kündigungen, kein Einsatz von Leiharbeitern, keine befristeten Arbeitsverhältnisse. So schlecht ist das Angebot nicht. Mit Verhandlungsgeschick und Flexibilität auf beiden Seiten ließe sich ohne massiven Streik ein allseits akzeptables Verhandlungsergebnis erzielen.
Denn eines sollte den Flugbegleitern klar sein: Auch sie müssen ihren Beitrag zum Restrukturierungsprogramm leisten. Trotz Rekordumsätzen sind der Lufthansa die Gewinne weggebrochen, das erste Halbjahr endete mit einem Nettoverlust. Vor allem der europäische Direktverkehr ist hochdefizitär. Da wäre ein Weiter-so den Aktionären wie den Mitarbeitern gegenüber verantwortungslos.
Selbst wenn Flugbegleiter (und Piloten) es gern verhindern möchten: Mit gutem Recht strebt die Lufthansa die Gründung einer neuen, kostengünstigen Billigfluglinie an, in die sie ihre Tochter Germanwings integriert und in der für neue Mitarbeiter deren Gehaltstarife gelten sollen. Dieses Konzept hat die Lufthansa kürzlich schon - viel tiefgreifender - bei der Sanierung ihrer defizitären Tochter Austrian Airlines umgesetzt. Die Lufthansa-Kabinencrews verkämpfen sich an der falschen Stelle, wenn sie sich gegen notwendige Strukturveränderungen sperren. Vielmehr sollten sie auf deren Erfolg bauen und sie für sich zunutze machen: Beispielsweise, indem sie auf eine deutliche Erfolgsbeteiligung pochen.