Gute Nachrichten für ängstliche Flugpassagiere: Trotz erhöhten Verkehrsaukommens ist 2011 ist eines der sichersten Jahre in der Geschichte der Luftfahrt. Die meisten Unglücke passierten in Russland.
von Gerhard HegmannMünchen
Fliegen war 2011 so sicher wie fast nie zuvor. Gemessen an der Zahl der Toten war es das zweitsicherste Jahr und nach der Zahl der Unfälle das drittsicherste Jahr seit Beginn der weltweiten Erfassung der Unfälle nach dem zweiten Weltkrieg. So kamen 2011 insgesamt 507 Menschen an Bord von Flugzeugen durch 28 Unfälle mit mehrmotorigen Flugzeugen ums Leben. Außerdem starben dabei 14 Personen am Boden. Dies ermittelte die private, unabhängige Unfalldatenorganisation Aviation Safety Network (ASN), die in den Niederlanden sitzt.
Die tendenziell geringe Zahl der Toten und Unfälle ist bemerkenswert, weil das weltweite Luftverkehrsaufkommen und die Zahl der Flüge kontinuierlich steigen. Alle 15 Jahre verdoppelte sich bislang die Flugzeugflotte auf derzeit grob 15.000 Flieger mit über 100 Sitzplätzen. Auch die weltweit geflogenen Flugkilometer haben sich verdoppelt, während die Zahl der Unfälle und Unfalltoten im mehrjährigen Durchschnitt sinkt. So gab es beispielsweise in der Zeitspanne zwischen 1990 und 1999 im Jahresdurchschnitt über 1200 Tote, während im Zeitraum 2001 bis 2010 trotz mehr Flugzeugen und mehr Flugkilometern der Jahresdurchschnitt bei 764 liegt.
Anzahl von Toten bei Flugzeugunfällen
Das bislang sicherste Jahr in der zivilen Luftfahrt seit dem zweiten Weltkrieg war 2004 mit 466 Toten, jetzt folgt 2011 mit der zweitniedrigsten Anzahl an Todesopfern. Ein einziger Unfall kann die Jahresstatistik allerdings schlagartig ändern.
Branchenkenner führen die tendenziell sinkenden Unfallraten auf moderne Sicherheitstechnik sowie das weltweite Branchenwarnsystem mit der Dokumentation von Zwischenfällen und technischen Änderungen durch die Aufsichtsbehörden zurück. Häufigste Ursache für Flugunfälle ist seit Jahren menschliches Versagen. In 2011 war kein einziges der neueren Modelle von Airbus oder Boeing in einen Unfall mit Todesfolgen verwickelt.
Der schlimmste Unfall im vergangenen Jahr ereignete sich am 9. Januar 2011, als eine 36 Jahre alte Boeing 727 der Fluggesellschaft Iran Air beim Landeanflug auf Urmia abstürzte und 77 Menschen an Bord starben.
Bei sieben der 28 Unfälle waren Maschinen von Betreibern beteiligt, die auf der "Schwarzen Liste" der EU stehen und daher nicht im europäischen Luftraum fliegen dürfen. Zu den gemessen an der Zahl der Unfälle unsicheren Regionen gehört Afrika mit 14 Prozent der Unfälle, obwohl Afrika nur etwa drei Prozent Anteil am Weltluftverkehr hat.
Russland lag im abgelaufenen Jahr mit sechs Unfällen und 118 Toten an der Spitze der Unfallstatistik, gefolgt vom Kongo und Indonesien. Deutschland taucht 2011 in der Liste der schweren Unfälle mit Todesfolge bei mehrmotorigen Flugzeugen überhaupt nicht auf.
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