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Merken   Drucken   08.11.2012, 12:22 Schriftgröße: AAA

Machtkampf um Schlachter-Konzern: Familie Tönnies und die Liechtenstein-Connection  

Im Kotelettkonzern streiten zwei Familienstämme um die Macht. Seit einem Jahr beharken Robert Tönnies und sein Onkel Clemens einander. Eine zentrale Rolle könnte nun eine Liechtensteiner Stiftung spielen.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Roland Weihrauch
Premium Im Kotelettkonzern streiten zwei Familienstämme um die Macht. Seit einem Jahr beharken Robert Tönnies und sein Onkel Clemens einander. Eine zentrale Rolle könnte nun eine Liechtensteiner Stiftung spielen.

Der seit Monaten anhaltende Familienstreit zwischen den beiden Gesellschaftern von Deutschlands größtem Schlachter Tönnies verlagert sich nach Liechtenstein. Im Dickicht eines komplizierten Stiftungsgeflechts geht es dort vordergründig um angeblich vorenthaltene Zahlungen. Letztlich aber soll hier eine Vorentscheidung fallen, wer künftig in dem Fleischkonzern mit einem Umsatz von 4,3 Mrd. Euro das Sagen hat.

Seit einem Jahr beharken sich Robert Tönnies und sein Onkel Clemens, die jeweils 50 Prozent am Unternehmen halten. Der Neffe stört sich an den privaten Unternehmungen des Onkels, der sich an Zuchtbetrieben in Russland und am Wursthersteller Zur Mühlen beteiligt hat. Weil er dadurch dem ostwestfälischen Familienbetrieb selbst Konkurrenz mache, wirft Robert dem Onkel groben Undank vor - und fordert auf dieser Basis eine Schenkung von fünf Prozent der Unternehmensanteile zurück. Hat er Erfolg, wäre das bisherige Gesellschafterpatt aufgehoben. Clemens Tönnies senior wäre nicht mehr Herr in dem Unternehmen, das er nach dem Tod seines Bruders 1994 zu einem der größten Fleischkonzerne Europas aufgebaut hat. Die Geschäfte in Liechtenstein rücken dabei ins Zentrum.

Nach FTD-Informationen prüft die Seite von Robert Tönnies, dem Sohn des verstorbenen Unternehmensgründers Bernd Tönnies, aktuell den Verbleib von bis zu 1,4 Mio. Euro. Der Betrag soll aus einem Liechtensteiner Stiftungsgeflecht getilgt worden sein, das zwar von Bernd Tönnies installiert, nach dessen Tod jedoch unter den Einfluss seines Bruders Clemens geriet.

So gering der Betrag anmutet, so groß ist seine Bedeutung: Sollte hier Untreue aufseiten von Clemens Tönnies senior vorliegen, würde Robert Tönnies' Position in einem im November beginnenden Prozess zum Schenkungswiderruf deutlich gestärkt. "Steuerhinterziehung reicht nicht als Begründung groben Undanks. Untreue zulasten des Schenkers aber kann sehr wohl den Widerruf rechtfertigen", so Alexander Fürwentsches, Fachanwalt für Steuerrecht bei der Kanzlei Rölfs in München.

Im Detail geht es um eine Glattstellung aus dem Jahr 2003. Dabei wurden Forderungen der liechtensteinischen Oversea Foundation, deren Begünstigte Robert Tönnies und sein Bruder Clemens junior sind, gegenüber der ebenfalls in Liechtenstein registrierten Gafluna Stiftung (Begünstigter: Clemens Tönnies senior) und der den beiden Stiftungen gehörenden Orgaplan in Höhe von über 1 Mio. Euro aus der Bilanz genommen. Robert Tönnies' Anwalt Markus Wanger hält diese Glattstellung für rechtswidrig. "Wir prüfen derzeit den Verbleib dieser Gelder. Sollten bei der Prüfung Forderungen auftauchen, werden wir sie gegenüber den ehemaligen Stiftungsräten geltend machen", kündigte Wanger gegenüber der Financial Times Deutschland an.

Die Stiftungen stehen auch in Zusammenhang mit einer Razzia, bei der 20 Beamte vor drei Wochen Büro- und Privaträume von Clemens Tönnies senior und seinem Berater, dem Steuerexperten Josef Schnusenberg durchsucht haben. Schnusenberg war als Testamentsvollstrecker von Bernd Tönnies in das Stiftungsgeflecht eingeweiht und soll laut Wanger in den vergangenen Jahren auch Weisungen an die im Oktober zurückgetretenen Stiftungsräte der Oversea Foundation gegeben haben.

Jedoch hätten weder Schnusenberg noch die Stiftungsräte die Begünstigten Robert und Clemens Tönnies junior über die Stiftung informiert. "Nach meinem Kenntnisstand haben meine Mandanten erst im Mai 2012 von der Existenz der Oversea Foundation erfahren", so Wanger. Wenige Tage später habe Robert Tönnies die Existenz der Oversea dem Finanzamt nachgemeldet. Clemens Tönnies senior wiederum hat das Finanzamt parallel über eine Selbstanzeige über die Gafluna informiert.

Nun wird zentral, wer was wann wusste. Aufseiten von Clemens Tönnies senior wird auf ein Dokument aus dem Dezember 2003 verwiesen, auf dem beide Neffen die Glattstellung zwischen den Stiftungen per Unterschrift bestätigen. Dagegen betonte Robert Tönnies' Anwalt Mark Binz, sein Mandant habe bis zum Mai 2012 keine Kenntnis von den Stiftungen gehabt. Erst bei anschließenden Nachforschungen sei ein Aktenvermerk aus dem Jahr 2003 aufgetaucht, der die Begriffe "Oversea", "Gafluna" und "Orgaplan" enthalten habe, ohne diese weiter zu erklären. Der Vermerk trage die Signatur von Robert und Clemens Tönnies junior, sowie von Josef Schnusenberg, der zu dieser Zeit das vollste Vertrauen der beiden genossen habe. Die Echtheit der Unterschriften werde derzeit geprüft.

  • Aus der FTD vom 08.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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