Ungeachtet aller Widerstände und Gerüchte über ein Scheitern arbeitet EADS an der Rüstungsfusion mit BAE Systems. Nach FTD-Informationen aus Branchenkreisen bezifferte EADS-Konzernchef Thomas Enders auf einem Führungskräftemeeting in Toulouse am Freitag die Wahrscheinlichkeit auf 50 zu 50. Strategievorstand Marwan Lahoud sprach dagegen von mehr als 90 Prozent Realisierungschance.
Bereits an diesem Montag könnte eine Vorentscheidung getroffen werden, ob der Luftfahrt- und Rüstungskonzern die am Mittwoch auslaufende Frist über den Fortgang des Fusionsprojekts verlängert - oder wegen nicht zumutbarer Forderungen und politischer Uneinigkeit abbläst. Zwischen Frankreich und Großbritannien zeichne sich ein enger Schulterschluss ab, heißt es.
Bis spätestens Mittwoch, 17 Uhr, entscheidet sich, ob zwischen Berlin, London und Paris überhaupt eine Einigung über den Forderungskatalog zur Bildung des weltgrößten Luftfahrt- und Rüstungskonzerns erreicht wird, dem auch die Unternehmen zustimmen. Eine am Freitag geplante Einigung der Regierungen als erste Voraussetzung scheiterte aber.
EADS und BAE Systems bewerteten dies aber nicht als Ende des Megaprojekts. In Pariser Luftfahrtkreisen wurde das angebliche Aus als "normale Gerüchte kurz vor Vertragsabschluss" gewertet. So kam es immerhin zu einer Zustimmung der Briten, dass Franzosen und Deutsche je neun Prozent am fusionierten Konzern EADS-BAE Systems halten dürfen. Damit hätten sie keine operativen Mitspracherechte, sondern wären normale Aktionäre mit Vetorecht bei einer feindlichen Übernahme.
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Auf Kritik stößt in Paris und London aber die Forderung Berlins, den kompletten Sitz der Holding zu beanspruchen. Deutschland isoliere sich zunehmend, heißt es. Dabei habe Enders weitgehende Zusagen über Stellen und Standorte gemacht.
Eine Verlängerung der Entscheidungsfrist wäre zwar nicht im Sinne des Managements, würde aber zumindest die Realisierungschance wahren. Wie es heißt, könnte die Frist zunächst um 28 Tage verlängert werden. Die Konzernchefs befürchten aber eine Hängepartie, was Entscheidungen lähme. Nach FTD-Informationen gab es auch Überlegungen, die Frist bis 17. Oktober zu verlängern, um mit einem einheitlichen europäischen Vorschlag auch die Zustimmung der USA zu erhalten. Diese enge Frist gilt inzwischen als unrealistisch.