"In Familienunternehmen ist der kritische Punkt immer die Schnittstelle zwischen Familie und Management. Mit der neuen Konstruktion wird diese Schnittstelle auf lange Sicht definiert", sagte Bernd Scheifele, künftiger Chef der Merckle-Holding, der FTD.
Die Merckle s hatten in der vergangenen Woche eine neue Struktur angekündigt. Die wichtigsten drei Firmen -
Heidelberg Cement , der Pharmahändler
Phoenix und der Medizinhersteller Ratiopharm - werden künftig unter einem Holdingdach zusammengeführt. "Aufgrund meines Alters war es für mich und meine Frau Zeit, über die Sicherung einer erfolgreichen Zukunft nachzudenken", begründete Merckle den Umbau in einem Schreiben an Mitarbeiter.
Scheifele - engster Vertrauter des Unternehmers - wird die Dachgesellschaft leiten. Aktuell machen die drei Unternehmen 30 Mrd. Euro Jahresumsatz und beschäftigen 100.000 Mitarbeiter.
Zahlreiche Töchter und Beteiligungen
Zum Familienimperium gehören neben den künftigen Holdingfirmen noch zahlreiche weitere Tochterfirmen oder Beteiligungen an Maschinenbauern sowie ein Textilwerk, Vermögensverwaltungen, der Pistenraupenhersteller
Kässbohrer und Blauwald, einer der größten Forstwirtschaftsbetriebe Deutschlands. "Die Holding muss aber führbar bleiben, deshalb bleiben kleinere Firmen draußen", sagte Scheifele.
Der 49-Jährige, der zudem Chef von Heidelberg Cement bleibt, übernimmt die Leitung allein, ohne Stellvertreter oder andere Manager in der Holdingspitze. Er wird von einem Holdingbeirat kontrolliert, in dem die Familie Merckle ihre Macht bündelt und von dort aus strategische Weichenstellungen direkt an Scheifele weitergeben kann. "Im Beirat werden sicherlich Herr Merckle und seine Söhne sitzen", sagte Scheifele.
Adolf Merckle, der am Dienstag 74 Jahre alt wird, hat drei Söhne und eine Tochter. Seine Frau Ruth hatte in der Vergangenheit ebenfalls im Firmengeflecht als Managerin gewirkt. "Es ist auch vorgesehen, externe Persönlichkeiten ins Gremium zu holen, um von deren Sachverstand zu profitieren. Die genaue Anzahl der Beiratsmitglieder und die Rechtsform der Holding stehen aber noch nicht fest", sagte Scheifele.
Merckle: viertreichste Deutsche
Der promovierte Jurist arbeitet seit 1993 mit dem Firmenpatriarchen zusammen, der laut US-Magazin "Forbes" mit einem geschätzten Vermögen von 12,8 Mrd. $ der viertreichste Deutsche ist. Merckle gilt als bescheidener Manager, der die Öffentlichkeit meidet. "Zwischen uns herrscht großes persönliches Vertrauen und gegenseitiger Respekt. Transparenz und Loyalität sind für uns beide sehr wichtig", so Scheifele.
Der Manager setzt auf schnelle, klare und direkte Strukturen. "Stabsabteilungen sind mir ein Graus. Deshalb wird es für die Holding auch keinen Glaspalast in der Stuttgarter Innenstadt mit vielen neuen Mitarbeitern geben", sagte Scheifele. Er sei ein Manager, der davon ausgehe, dass man Bürokratie in einem Unternehmen bekämpfen müsse.