Mitarbeiterdaten:Bahn stoppt Schnüffeleien via Facebook
Die Deutsche Bahn will beim Datenschutz vom Skandalkonzern zum Vorbild für die deutsche Wirtschaft werden. Dazu hat sie eine Vereinbarung mit ihren Arbeitnehmervertretern geschlossen, die deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht.
von Leo KlimmHamburg
und Jens TartlerBerlin
So sind etwa die allgemein gängigen Recherchen über Jobkandidaten auf Internetplattformen wie Facebook bei der Bahn künftig verboten. "Es wird keine Social-Network-Recherchen mehr geben", sagte Compliance-Vorstand Gerd Becht.
Die Vereinbarung, die Becht für die rund 160.000 deutschen Bahn-Beschäftigten einführt, setzt der Verwendung von Mitarbeiterdaten enge Grenzen - und räumt den Betriebsräten großen Einfluss ein. So dürfen personenbezogene Daten künftig nur noch in vereinbarten IT-Systemen genutzt werden. Auch der Zweck der Datenerhebung ist eng definiert. Und der Betriebsrat hat faktisch ein Vetorecht gegen konzerninterne Ermittlungen gegen Mitarbeiter, die etwa unter Korruptionsverdacht stehen: "Eine Ermittlung, über die man sich nicht einigen kann, würde bei mir nicht stattfinden", sagte Becht.
Der aktuelle Bahn-Chef Rüdiger Grube
Damit zieht die Bahn nach dem Austausch der Konzernführung auch im Umgang mit normalen Mitarbeitern radikale Konsequenzen aus ihrer Datenaffäre. Im Frühjahr 2009 musste fast der ganze Vorstand um Konzernchef Hartmut Mehdorn weichen, nachdem bekannt geworden war, dass die Bahn unter dem Deckmantel der Korruptionsbekämpfung jahrelang illegal Arbeitnehmerdaten abgeglichen und Mitarbeiter bespitzelt hatte. Mehdorns Nachfolger Rüdiger Grube berief dann mit Becht einen Compliance-Vorstand - der nun eine interne Datenschutzeinheit mit mehr als 100 Mitarbeitern aufbaut.
Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix hatte kürzlich kritisiert, der Konzern schieße bei der Aufarbeitung der Datenaffäre über das Ziel hinaus. Es seien zu viele persönliche Angaben aufbewahrt worden. Nun soll bei der Bahn das Prinzip gelten, möglichst wenige Daten zu speichern. Auch auf Wirtschaftsauskunfteien wird bei der Betrugsbekämpfung ab sofort verzichtet.
Wegen der Milliardenbudgets, die der Konzern investiert, gilt die Bahn als anfällig für Betrug. Gerät ein Mitarbeiter künftig in Verdacht, greift ein zweistufiges Verfahren: Bagatellfälle werden aussortiert. Im zweiten Schritt wird im Einvernehmen mit dem Betriebsrat abgewogen, ob der Datenschutz des Mitarbeiters schwerer wiegt als die Interessen des Konzerns.
Anders als bei Mitarbeiterdaten gilt die Bahn im Umgang mit Kundenangaben schon länger als vorbildlich.
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