Eigentlich gibt es für die Aktionäre von Starinvestor Warren Buffett auf der Hauptversammlung an diesem Wochenende Grund zur Freude: Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway hat den Gewinn zu Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Sowohl die eigenen Tochterfirmen von einer Fast-Food-Kette über eine Chemiefirma bis hin zu einer Frachteisenbahn warfen mehr Geld ab, als auch Buffetts legendäre Finanzspekulationen.
Insgesamt kam die Holding Berkshire Hathaway im ersten Quartal auf einen Gewinn von unterm Strich mehr als 3,2 Mrd. Dollar. Das teilte das Unternehmen am späten Freitag (US-Ortszeit) mit. Im Vorjahreszeitraum hatte das Konglomerat 1,5 Mrd. Dollar verdient. Damals hatten unter anderem die Erdbeben in Japan und Neuseeland sowie Überschwemmungen in Australien das wichtige Versicherungsgeschäft schwer belastet.
An diesem Samstag treffen sich die Anteilseigner in Buffetts Heimatstadt Omaha im US-Bundesstaat Nebraska. Die Veranstaltung wird auch als "Woodstock des Kapitalismus" bezeichnet. Buffett führt das weltweite Konglomerat aus fast 80 Firmen und mehr als 270.000 Beschäftigten zusammen mit Partner Charlie Munger.
Wie jedes Jahr dürfte die Hauptversammlung eher einem Jahrmarkt gleichen, auf dem sich die Firmen des Buffett-Imperiums vorstellen, und auf dem die Anteilseigner ihre Ikone Warren Buffett feiern. Sie nennen ihn wegen seines fast untrüglichen Riechers fürs Geldverdienen auch "Das Orakel von Omaha".
Auch wenn die Geschäfte florieren, könnte die Stimmung in diesem Jahr getrübt sein. Denn der 81-jährige Buffett hatte vor drei Wochen öffentlich gemacht, dass er Prostatakrebs hat, wenn auch in einem sehr frühen Stadium.
Buffett versicherte zwar, er habe keine Beschwerden: "Ich fühle mich großartig, als ob ich gesund wäre." Doch sogleich kochte die Diskussion um Buffetts Nachfolge wieder hoch. Es gibt einen Kandidaten, der Name ist aber geheim.
Vieles deutet darauf hin, dass der fürs Rückversicherungsgeschäft von Berkshire Hathaway zuständige Ajit Jain der neue Chef von Berkshire Hathaway wird. Allerdings wird der neue Chef die Macht teilen müssen: So hat Buffett im vergangenen Jahr die beiden Investmentexperten Todd Combs und Ted Weschler eingestellt, um ihm bei seinen Finanzmarktgeschäften unter die Arme zu greifen.
Buffett steht seit einem halben Jahrhundert an der Spitze von Berkshire Hathaway und hat aus dem unbedeutenden Textilhersteller eines der wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht. Zu dem Imperium gehören neben den rund 80 eigenen Tochterfirmen auch große Aktienpakete an Konzernen wie Coca-Cola , IBM oder Munich Re , der ehemaligen Münchener Rückversicherung. An der Börse ist die Holding mehr als 200 Mrd. Dollar schwer - mehr als doppelt so viel wie Deutschland teuerster börsennotierter Konzern Siemens .
Nach der Bekanntgabe der Geschäftszahlen fiel die B-Aktie von Berkshire Hathaway nachbörslich leicht auf 80,60 Dollar. Denn Analysten hatten mit einem noch höheren Gewinn gerechnet.
Die mit deutlich mehr Stimmrechten ausgestattete A-Aktie rührte sich nach Börsenschluss nicht mehr. Mit 121.950 Dollar pro Stück ist es teuerste Aktie der Welt.