Für Claus Richter ist Fliegen auch nach vielen Jahren noch etwas Besonderes. Seine "Elfen" nennt der Kapitän von Lufthansa Cargo die dickbauchigen Frachtmaschinen der Fluggesellschaft liebevoll. Und wenn er jene Momente aufzählt, die "jedes Pilotenherz höherschlagen" lassen, wird er beinahe poetisch: "der Sonnenaufgang über der Sahara, die Abenddämmerung über den Anden, der Sternenhimmel über der Steppe".
Dumm nur: Einige von Richters Kollegen überfliegen bald den Dom statt Damaskus, den Rhein statt des Nils - und retour fahren sie demnächst im schnöden ICE. Denn das von einem Kasseler Gericht kurzfristig verhängte Nachtflugverbot über Frankfurt zwingt die Planer bei Lufthansa Cargo zu bizarren Notlösungen.
Weil Frachtmaschinen ab dem 31. Oktober nachts nicht mehr in Frankfurt starten und landen dürfen, müssen Flüge ausfallen - oder über Köln führen. Deshalb heben die "Elfen" bald fünfmal die Woche kurz vor dem neuen Flugverbot ab 23 Uhr am größten deutschen Flughafen ab, landen in Köln - und fliegen dann nach Peking oder Guangzhou weiter.
Das klingt zunächst logisch, ist bei näherer Betrachtung aber teuer, belastet die Umwelt - und dürfte in Köln auf Widerstand stoßen. Bei gutem Wetter dauert es nur 15 Minuten, um von Frankfurt nach Köln zu fliegen. Da Landezeiten an den verkehrsreichen Flughäfen in China aber schon Monate im Voraus vergeben werden, können Kapitäne wie Richter nicht direkt weiterfliegen: Sie müssen erst drei bis fünf Stunden in Köln warten, um wie vereinbart am Ziel zu sein.
Einem Sprecher zufolge werden die Cargo-Mannschaften daher vermutlich von Köln mit dem Zug zurück nach Frankfurt fahren. Personenflüge auf der kurzen Strecke wurden nämlich 2007 eingestellt. Ein zweites Team startet dann mitten in der Nacht aus der Domstadt, da hier rund um die Uhr geflogen werden darf. Die Kosten der Lufthansa-Tochter werden steigen - für Personal, Kerosin und Flughafengebühren.
Auch die Umwelt wird durch die doppelten Starts und Landungen belastet: Bei jedem Start werden Stickoxide freigesetzt, die schädlicher sind als CO2. Die Notlösung gilt, bis das Bundesverwaltungsgericht, voraussichtlich im Frühjahr, abschließend darüber urteilt, ob Nachtflüge in Frankfurt zulässig sind - oder die Nachtruhe der Anwohner stören.
Streit ist absehbar: In Köln wohnen mehr Menschen als in Frankfurt. Die wollen auch schlafen.