Die Bahn-Tochter Arriva ordnet ihre Anteile am Verkehrsunternehmen Barraqueiro neu und spart dadurch Steuern. Das Management erwägt perspektivisch eine weitere Expansion. von Bernd Hops, Hamburg
Die Deutsche Bahn ordnet ihre Beteiligung am größten Betreiber von öffentlichem Nahverkehr in Portugal neu. Die Bahn-Tochter Arriva hat ihre Anteile an der Barraqueiro-Holding abgegeben, dafür im Gegenzug zusätzliche Anteile an der operativen Gesellschaft Barraqueiro SGPS erhalten. Diese Option hatte der Konzern mit der mehrheitlich beteiligten Pedrosa-Familie eigentlich erst ab dem 1. Januar 2012 vereinbart, nun wurde sie nach FTD-Informationen schon jetzt gezogen. Ein Bahn-Sprecher bestätigte die Veränderung auf Anfrage, ohne genauere Angaben zu den Gründen zu machen.
Durch die Aktion spart die Bahn Unternehmenskreisen zufolge vor allem Steuern. Denn der durch die Finanzkrise gebeutelte portugiesische Staat plant ab nächstem Jahr eine stärkere Belastung der Gewinne aus dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen. Die Beteiligungsarithmetik hat sich durch die Neuordnung nicht verändert. Die Bahn hält weiterhin 31,5 Prozent an der operativen Einheit, allerdings nun komplett direkt und nicht mehr über den Umweg der Holding. Barraqueiro setzt im Jahr mehr als 300 Mio. Euro um und arbeitet profitabel. Arriva war dort 2006 eingestiegen, die Bahn wurde wiederum durch die Übernahme von Arriva im vergangenen Jahr Anteilseigner bei Barraqueiro. Der Wert der zwischen der Pedrosa-Familie und der Bahn ausgetauschten Anteile beträgt knapp 30 Mio. Euro.
Weitere Schritte sind in Portugal zunächst nicht geplant. Perspektivisch kann sich das Bahn-Management den Konzernkreisen zufolge aber durchaus mehr vorstellen. Mit der Tochtergesellschaft Arriva soll das Europageschäft ausgebaut werden. Erst vor kurzem hat Arriva einen milliardenschweren Auftrag für den öffentlichen Bus- und Bahnverkehr in der schwedischen Hauptstadt Stockholm erhalten. Der Vertrag läuft ab August 2012. In Portugal gehört Arriva - abgesehen von der Barraqueiro-Beteiligung - nach eigenen Angaben zu den drei größten Busbetreibern. Für eine weitere Expansion wäre Barraqueiro nach interner Einschätzung der Bahn die beste Basis; ein langfristiger Ausbau des Anteils auf bis zu 51 Prozent wird für möglich gehalten.
Die Pläne der Bahn für Arriva sind nach FTD-Informationen schließlich sehr ehrgeizig. Der Umsatz soll bis 2016 im Schnitt jedes Jahr um mehr als acht Prozent steigen. Für 2011 werden 3,4 Mrd. Euro erwartet, bei einem operativen Gewinn (Ebit) von gut 160 Mio. Euro. Arriva ist jedoch noch sehr stark von Großbritannien, dem ursprünglichen Heimatmarkt des Unternehmens, abhängig. Hier entwickelt sich der Betrieb von einigen Bahnstrecken nicht so wie ursprünglich geplant und drückt das Ergebnis.
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