Nach dem Start von Iberia Express Ende März prüft die neue spanische Low-Cost-Airline den Einstieg in Deutschland. Schon Ende Oktober könnten Flüge "von zentralen deutschen Flughäfen wie Berlin oder Frankfurt" über Madrid zu den spanischen Küstenferienorten starten, sagte der Geschäftsführer von Iberia Express, Luis Gallego, der FTD. Deutschland sei nicht nur wegen des starken Tourismusgeschäfts interessant. "Mittelstreckenflüge nach Deutschland helfen, die Maschinen besser auszulasten" und Kosten zu sparen, so Gallego. Der 42-jährige Ingenieur hat die spanische Billigairline Clickair mitgegründet und kann als ehemaliger Betriebsleiter der Iberia-Tochter Vueling durchaus Erfolge vorweisen. Doch mit dem für Iberia Express geplanten Mischmodell aus "billig und traditionell" könnte das schwieriger werden. Denn Iberia Express droht in Deutschland harte Konkurrenz von Ryanair, Easyjet und Air Berlin. Die neue spanische Fluglinie läuft Gefahr, gegenüber den Billigairlines zu teuer zu sein und gegenüber den traditionellen Airlines wie Lufthansa im Service hinterherzuhinken.
Der Start war bereits holprig. Schon seit Dezember versuchen die Piloten von Iberia, die neue Airline mit Streiks zu torpedieren. Sie fürchten um ihre Stellen, wenn das bislang defizitäre Europa-Geschäft der Mutter Schritt für Schritt an Iberia Express ausgelagert wird. "Wir schreiten mit unseren Plänen unverändert voran. Die Streiks können daran nichts ändern", erklärte Gallego. Zur neuen Airline gebe es keine Alternative. Die Marschroute kommt ohnehin aus London. Mit der Fusion von British Airways und Iberia macht der Fusionspartner nun Druck, die Kosten zu senken. Denn während British Airways schon längst schwarze Zahlen schreibt, haben die Spanier im vergangenen Jahr immer noch Verluste von 98 Mio. Euro verbucht - mehr als dreimal so viel wie im Jahr zuvor mit 28 Mio. Eur o. Willie Walsh, Vorstandschef der Dachholding International Airlines Group (IAG), mahnte somit jüngst: "Die Kosten bei Iberia sind zu hoch, und zwar unakzeptabel hoch."
Gallego weiß, was von ihm erwartet wird: "Wir wollen in diesem Jahr bereits schwarze Zahlen schreiben." Bis 2015 werde Iberia Express für die Muttergesellschaft 100 Mio. Euro einsparen. Vor allem die Personalkosten sollen dafür gesenkt werden. Iberia-Express-Piloten bekommen 6000 Euro netto im Monat, statt durchschnittlich 10.000 netto bei der Iberia-Mutter. Zudem sollen die Maschinen besser ausgelastet werden: Die tägliche Flugdauer pro Maschine soll 10,5 Stunden betragen. Damit hinkt Iberia Express den Billigfliegern allerdings immer noch hinterher, die ihre Maschinen täglich 13 Stunden einsetzen.
Mit den Preisen der Billigflieger kann Iberia Express somit schwer konkurrieren. "In der günstigsten Tarifklasse Express kommt Iberia Express den Preisen von Easyjet nahe", so Gallego. Anders als traditionelle Low-Cost-Flieger werde Iberia Express aber auch Anschlussflüge anbieten, da 70 Prozent der Fluggäste Transitpassagiere seien. Zudem will der Mutterkonzern IAG das Drehkreuz Madrid für die profitablen transatlantischen Flüge stärken, die dem Unternehmen im vergangenen Jahr einen satten Gewinn von 555 Mio. Euro beschert haben.
Doch die Ausgaben für Bodenpersonal und Gepäckverladung treiben die Kosten hoch. Mit besserer Qualität versucht Iberia Express, die höheren Preise zu rechtfertigen. "Wir werden den gleichen Service wie Iberia anbiete", sagt Gallego. Das Problem dabei ist allerdings: Iberia ist für eher mäßigen Service bekannt. In der Touristenklasse müssen die Fluggäste für Essen selbst zahlen. Zudem klagen die Passagiere über häufige Verspätungen.