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Merken   Drucken   01.02.2009, 09:18 Schriftgröße: AAA

Neuer Tarifvertrag: Bahn und Gewerkschaften einig

Der Durchbruch kam am Ende eines fast 40-stündigen Verhandlungsmarathons: Kurz vor Ablauf der Friedenspflicht besiegelten die Gewerkschaften und die Deutsche Bahn einen neuen Tarifvertrag. Damit bleibt den Kunden ein monatelanger Streik wie noch vor einem Jahr erspart.

Der drohende Streik bei der Deutschen Bahn ist abgewendet. Arbeitgeber und Gewerkschaften einigten sich in der Nacht zu Sonntag auf einen neuen Tarifvertrag. Nur eine Stunde vor Ablauf der Friedenspflicht verkündeten die Verhandlungsführer der drei konkurrierenden Gewerkschaften und Bahn-Personalvorstand Norbert Hansen  in Frankfurt die Vereinbarung. Sie bringt den 142.000 Beschäftigten stufenweise 4,5 Prozent mehr Geld. Bei einer Laufzeit von 18 Monaten wurden außerdem eine Einmalzahlung von 500 Euro und Verbesserungen bei der Arbeitszeitplanung verabredet.

Die Bahn-Mitarbeiter im Schichtdienst bekommen zwölf komplett freie Wochenenden im Jahr. Von denen werden acht verlässlich in einem neuen Jahresruhezeitplan festgeschrieben, berichtete der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky. Gremien beider Seiten müssen der Einigung noch zustimmen, dies gilt allerdings nur als formaler Schritt. Die Sitzungen sind für Mittwoch und Donnerstag geplant.

Bahn will Mitarbeiter trotz Krise halten

"Die Beharrlichkeit hat sich gelohnt", sagte der Chef der Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel. Die Bahn habe zunächst die Wichtigkeit der sozialen Fragen unterschätzt. Ex-Gewerkschafter Hansen meinte, die schnelle Einigung sei wichtig für die künftige Verhandlungskultur im Unternehmen Bahn. Diese sei in der wirtschaftlichen Krise entscheidend. "Wir möchten alle Mitarbeiter an Bord halten", sagte der frühere Transnet-Chef. Das Ergebnis gehe deutlich über die zu erwartende Inflation hinaus. Es sei respektabel für die Beschäftigten und akzeptabel für das Unternehmen.

Transnet-Chef Alexander Kirchner  sagte, der Abschluss sei auch ein gutes Zeichen für die Konjunktur, wenn die Arbeitnehmer mehr Geld für den Konsum hätten. Gewerkschaften und Bahn hatten seit Freitagmorgen fast 40 Stunden lang in der vierten Runde verhandelt und bis zuletzt um Arbeitszeitfragen gestritten.

Die DGB-Gewerkschaft Transnet und ihr Partner GDBA waren mit einer Forderung nach 10 Prozent mehr Geld in die Auseinandersetzung gezogen. Die GDL war bei 6,5 Prozent geblieben. Sie erreichte Weselsky zufolge zusätzlich die tarifliche Regelung der zukünftigen Ausbildungsstandards für Lokführer.

Ein Bahn-Service-Mitarbeiter hält sein Mütze: Die Beschäftigten ...   Ein Bahn-Service-Mitarbeiter hält sein Mütze: Die Beschäftigten bekommen nun zwölf komplett freie Wochenenden im Jahr

Rund 80 Prozent der tarifgebundenen Bahn-Mitarbeiter sind im Schichtdienst tätig. Unterschiede nach Geschäftsfeldern flossen zwar in die Verhandlungen ein, wurden aber nicht separat verhandelt. Bis zuletzt drohten die Verhandlungen an den Arbeitszeitfragen zu scheitern, die Frage nach dem Geld wurde fast zur Nebensache.

Transnet und GDBA hatten vergangenen Donnerstag einen Warnstreik organisiert und damit den Druck auf den Arbeitgeber erhöhen wollen. "Nadelstiche" habe man gesetzt und damit die Bahn in Bewegung gebracht, sagte Kirchner. In der vorausgegangenen Tarifrunde hatte die kleinere GDL noch für ihre letztlich erfolgreiche Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag mehrfach den Schienenverkehr nahezu lahmgelegt. Erst nach neun quälend langen Monaten mit Streiks, immer neuen Ultimaten und Gerichtsverhandlungen hatten sich die Lokführer dann im März 2008 mit der Bahn geeinigt.

  • dpa, 01.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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