Wer in Windparks im Meer investieren will, bekommt nur sehr schwer Kredit von der Bank. Den Stadtwerken der bayerischen Hauptstadt gelingt es dennoch - dank einer Staatsbürgschaft.
von Kathrin WernerMünchen
Nach monatelangen Verhandlungen mit den Banken kommt wieder Schwung in den Ausbau der Windenergie auf hoher See: Für den Nordsee-Windpark Global Tech I sei die Finanzierung beinahe abgeschlossen, sagte Kurt Mühlhäuser, Chef der Münchner Stadtwerke, im FTD-Gespräch. Allerdings kommt die Finanzierung nach Informationen aus Branchenkreisen nur dank einer Staatsbürgschaft zustande. "Die Banken haben signalisiert, dass das Projekt finanzierbar ist", sagte Mühlhäuser. "Wir haben fast alle Verträge mit den Lieferanten abgeschlossen. 2012 werden die ersten Windräder installiert."
Kurt Mühlhäuser
Obwohl politisch gewollt, scheitern derzeit viele Windparks am Geld, vor allem die Milliardenprojekte auf hoher See. Zwar gingen 2010 mit 883 Megawatt gut 50 Prozent mehr Offshore-Windräder ans Netz als 2009. In deutschen Gewässern gibt es aber nur einen fertigen Park.
Besonders jene Projekte stocken, die nicht von den großen Energiekonzernen aus eigener Kraft aufgebaut werden, sondern von kleineren Investoren, die auf Projektfinanzierung durch Banken angewiesen sind. "Ohne Staatsbürgschaft geben vor allem deutsche Banken fast keine Kredite für Offshore mehr", sagte ein Brancheninsider. "Die haben seit der Finanzkrise Angst vor so großen Investitionen."
Die Stadtwerke München sind neben Global Tech I an zwei Offshore-Windparks beteiligt - einmal zusammen mit Vattenfall, einmal mit RWE. Die Münchner zählen zu Deutschlands größten Investoren in erneuerbare Energien: Rund 500 Mio. Euro geben sie jährlich für neue Projekte aus. Den Windpark Global Tech I, der 90 Kilometer nordwestlich der Insel Juist entsteht, entwickeln sie mit einer Gruppe kleinerer Investoren.
Jährliche Windkraft-Neuinstallationen in der EU in tsd. Megawatt
Künftig will Mühlhäuser Offshore-Parks lieber mit eigenem Kapital und aus Mitteln der Unternehmensfinanzierung aufbauen: "Die hohen Risikoaufschläge der privaten Banken halte ich nicht für gerechtfertigt." Mehr als 90 Prozent des Risikos seien durch Eigenkapital der Investoren, Kredite öffentlicher Institute und Staatsbürgschaften abgesichert, sagte er. Die Branche habe inzwischen auch die technischen Risiken beim Bau der Anlagen besser im Griff. "Die Versicherungen honorieren dies inzwischen mit deutlich niedrigeren Prämien."
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