Obi-Chef Sergio Giroldi
Dies sagte Obi-Chef Sergio Giroldi im FTD-Interview. Europaweit will der Obi-Chef in vier Jahren rund 600 Märkte betreiben und damit über 100 mehr als heute. Für dieses Jahr sei der Markteintritt in der Ukraine und Kroatien geplant, so Giroldi.
In Deutschland hatte die Tengelmann-Tochter im Geschäftsjahr bis Ende April 2005 einen Umsatzrückgang von 1,6 Prozent auf 3,45 Mrd. Euro verbucht. "Wir haben im Vorjahr ein bisschen gelitten. Mittlerweile leidet die ganze Branche", so der Obi-Chef.
Der Italiener ist seit seinem Wechsel an die Obi-Spitze vor drei Jahren dabei, das Unternehmen auf Effizienz und Wachstum zu trimmen. Er baute unter anderem die Führungsstrukturen in Deutschland um, überarbeitete das Sortiment und entschied sich überraschend für einen Rückzug aus China, damit sich das Unternehmen ganz auf Europa konzentrieren kann.
Marktanteile dazu gewonnen
Das Deutschlandgeschäft hat sich laut Giroldi inzwischen wieder erholt: "2005 war für Obi ein ziemlich erfolgreiches Jahr, wir haben unseren Marktanteil ausgebaut." Auch für 2006 gibt er sich kämpferisch: "Unser Ziel ist es, mehr Geschäfte als unsere Wettbewerber aufzumachen. Wir geben unsere Marktführerschaft in Deutschland nicht ab." Obi plant für 2006 hier zu Lande neun neue Märkte - fünf davon sind allerdings Standortverlagerungen. Insgesamt sollen in Europa dieses Jahr 28 neue Häuser eröffnet werden.
Die Nachfrage wird Giroldis Meinung nach wieder anziehen. "Die Branche hat zwar einen schwachen Januar erlebt, trotzdem glaube ich, dass der Markt in diesem Jahr in Deutschland wieder beginnt zu wachsen."
Suche nach Übernahme-Chancen
Trotzdem rechnet Giroldi damit, dass es mittelfristig zu einer Marktkonsolidierung kommen wird. Die deutsche Baumarktbranche warte darauf zwar schon seit fünf Jahren, und möglicherweise werde sich auch 2006 noch nichts tun. In den nächsten fünf Jahren rechnet er jedoch mit einer Konsolidierung und will möglicherweise aktiv werden. "Wir verfolgen genau, was im deutschen Markt passiert. Es ist möglich, dass Obi einen Wettbewerber übernimmt." Er habe aber kein bestimmtes Übernahmeziel im Blick. Die Handelsgruppe Rewe prüft derzeit, ob die Baumarkttochter Toom noch ins Portfolio passt.
Mit einer Übernahme würde der Obi-Chef seinen ehrgeizigen Zielen näher kommen: "Wir wollen künftig zweistellige Wachstumsraten erreichen." Dazu soll auch das Auslandsgeschäft beitragen. 2006 will Obi in zwei neuen Ländern starten: Ukraine und Kroatien. Weitere Märkte würden bereits sondiert. "Heute sind wir in zehn Ländern aktiv, 14 sind für 2007 geplant", so Giroldi. In vier Jahren will er 600 Märkte in Europa betreiben. Zurzeit sind es 490. Der Auslandsanteil des Umsatzes soll von 30 auf 45 Prozent steigen. Im Geschäftsjahr 2004/05 kamen die Obi-Märkte insgesamt auf Erlöse von 5,1 Mrd. Euro.
"Wir wollen in allen Ländern, in denen wir aktiv sind, die Marktführerschaft erreichen", sagte Giroldi. Auch wenn Deutschland nach wie vor der wichtigste Markt sei, seien im Hinblick auf die künftige Expansion Russland, Polen und Italien am wichtigsten. In Russland betreibt Obi vier Häuser. "Wir werden dort zehn neue Märkte 2006 eröffnen."
Die Zukunft der Gemeinschaftsfirma Obi@Otto im Onlinegeschäft ist indes noch unklar. "Wir diskutieren die weitere Strategie mit unserem Partner Otto, so wie wir das in allen Bereichen zurzeit machen. Es gibt bis jetzt noch keine Entscheidung", so Giroldi. "Ich erwarte ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, mehr Qualität, mehr Innovation und mehr Umsatz. Ich hoffe, dass wir eine Lösung mit Otto finden."