Facebook will bei seinem Sprung aufs Parkett alle bisherigen Technologie-Börsengänge in den USA deklassieren. Das weltgrößte soziale Netzwerk könnte laut eigenem Prospekt in etwa zwei Wochen Aktien für bis zu 13,6 Mrd. Dollar losschlagen - Dagegen verblasst selbst die Premiere des Internet-Giganten Google, der 2004 nur 1,7 Mrd. Dollar erlöste. Gelingt Facebook dieser Paukenschlag, wäre das erst acht Jahre alte Unternehmen mit knapp 100 Milliarden Dollar insgesamt fast genau so viel wert wie der Online-Handelsriese Amazon.
Facebook lüftete am Donnerstag eines der größten Geheimnisse der Wall Street und nannte eine Preisspanne von 28 bis 35 Dollar je Aktie. Weil die Besitzer - allen voran Gründer Mark Zuckerberg - nur einen Bruchteil ihrer Anteile verkaufen, würde sich der gesamte Firmenwert auf 77 bis 96 Milliarden Dollar belaufen.
2011 schaffte Facebook einen Milliardengewinn bei ganzen 3,7 Mrd. Dollar Umsatz. Im ersten Quartal 2012 stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um 45 Prozent auf 1,06 Mrd. Dollar. Facebook ist seit drei Jahren profitabel. 2011 gab es eine Mrd. Dollar Gewinn, im Jahr davor 606 Mio. und 2009 auch schon 229 Mio. Dollar. Im Jahr 2008 lag der Verlust bei 56 Mio. Dollar und 2007 bei 138 Mio. Dollar. Im ersten Quartal 2012 sank der Gewinn im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 205 Mio. Dollar. Für die gewöhnlichen Aktionäre ging es um zehn Prozent auf 137 Mio. Dollar runter. Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. 2011 lag der Anteil bei 85 Prozent.
Die virtuellen Welten des Onlinespiele-Spezialisten Zynga sind ein wichtiges Element des Facebook-Geschäfts. Zuletzt steuerte der Anbieter von Games wie "Farmville" oder "Cityville" 15 Prozent der Facebook-Umsätze bei. Facebook hat mehr aktive Mitglieder als man bisher dachte. In den Börsenunterlagen spricht das Online-Netzwerk von 845 Millionen aktiven Nutzern im Monat Ende 2011. Im ersten Quartal waren es bereits 901 Millionen. Und 526 Millionen nutzten Facebook jeden Tag.
Mark Zuckerberg wird Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff haben. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen werden. Nach der Aktienplatzierung wird Zuckerberg fast 60 Prozent der Stimmen kontrollieren. Facebook hatte zuletzt 3539 Mitarbeiter. Die Zahl der Beschäftigten stieg allein im vergangenen Jahr um 50 Prozent.
Mark Zuckerbergs Vater, der Facebook 2004 und 2005 finanziell unterstützt hat, bekam im Dezember 2009 zwei Mio. Aktien der Klasse B. Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk - nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren. Über einen Markteintritt in China hat Facebook laut Börsenprospekt noch nicht entschieden. Am russischen Konkurrenten Vkontakte ist der Investor DST beteiligt, der auch ein großer Facebook-Anteilseigner ist.
Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Mehr als 22 Millionen Nutzer seien beim Marktführer aktiv, berichtete das Blog Allfacebook.com vor wenigen Monaten unter Berufung auf den Facebook AdPlanner, ein Werbe-Tool des Unternehmens. 2010 waren es noch 10 Millionen.
Facebook ist auch ein riesiges Fotoalbum: Jeden Tag laden die Nutzer 300 Millionen Bilder hoch.