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Merken   Drucken   05.04.2011, 22:34 Schriftgröße: AAA

Oman und Hapag-Lloyd: Der Wüstensohn und das Meer

Hapag-Lloyd würde perfekt ins Beuteschema des omanischen Sultans passen. Doch für das Unternehmen birgt dieser verschwiegene Großaktionär auch enorme Risiken. von Claus Hecking  Brüssel
Der Hafen von Salalah lässt sich schon Kilometer vor der omanischen Küste erahnen. Kranbrücken, höher als die Minarette, zeichnen sich auf dem Land ab. Im Viertelstundentakt laufen Containerschiffe den drittgrößten Hafen des Nahen Ostens an.
Und geht es nach Sultan Kabus Bin Said, soll der Verkehr bald noch viel dichter werden: Der allmächtige Herrscher des Oman plant, die Kapazität des Hafens um 150 Prozent auszubauen, für 15 Mrd. Dollar. Bereits in zehn Jahren sollen Salalah am Arabischen Meer und Sohar an der Nordküste die Dreh- und Angelpunkte sein für den Containerverkehr zwischen Asien, Afrika und Europa. Fehlt nur noch die Flotte.
Bilderserie Hapag-Lloyds Riesen der Ozeane
Hapag-Lloyd würde perfekt ins Beuteschema des Sultans passen. Seit ein paar Wochen soll der von ihm kontrollierte Oman Investment Fund mit Hamburg verhandeln. Es wäre die zweite große Beteiligung dieses kleinen, verschwiegenen Staatsfonds nach dem Einstieg 2006 bei der Dubai Mercantile Exchange, der führenden Rohstoffbörse der Golfregion.
Bereits damals hatte der Sultan ein strategisches Ziel vor Augen: das heimische Oman Crude Oil zu einer Referenzsorte am internationalen Rohölmarkt zu machen, einem arabischen Brent. Kurz nach seinem Kauf von 25 Prozent an der Dubai Mercantile Exchange führte diese Terminkontrakte auf das Oman-Öl ein. Es hat sich ausgezahlt. Oman Crude ist nach vier Jahren zwar noch nicht so bekannt wie Brent, aber täglich wechseln in Dubai mehrere Millionen Fass den Besitzer.
Im Westen haben sich der Oman Investment Fund (OIF) und seine Tochter Onyx mit Deals bisher zurückgehalten - abgesehen vom Kauf einer kleineren irischen Hotelkette. "Mit geschätzten 9 Mrd. Dollar Vermögen ist die OIF verglichen mit anderen Staatsfonds der Region eher klein", sagt Steffen Kern, Branchenexperte der Deutschen Bank. So wird die QIA aus Katar auf 60 bis 80 Mrd. Dollar taxiert, Abu Dhabis ADIA gar auf 500 bis 800 Mrd. Dollar. Die beiden winzigen Scheichtümer fördern gut dreimal so viel Erdgas beziehungsweise Erdöl wie der relativ ressourcenarme Oman.
Sollte sich Hapag-Lloyd auf den Investor vom Golf einlassen, ist Rätselraten vorprogrammiert. "Selbst unter Arabiens intransparenten Staatsfonds ist der OIF einer der verschwiegensten", sagt Sven Behrendt, Experte des Genfer Beratungshauses Geoeconomica.
Bislang hat der Fonds nicht einmal eine Webpage. Auch die Unruhe im Oman könnte Hapag-Lloyd Ärger bereiten. Seit Februar kommt es immer wieder zu Straßenprotesten. Es gab auch Tote. Was passieren kann, wenn die Lage eskaliert, erlebt etwa Unicredit. Die Bank ist in der Kritik. Erboste Anteilseigner fordern den Ausschluss eines Großaktionärs: der Libyan Investment Authority.
  • FTD.de, 05.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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