Das Online-Rabattportal Groupon verliert das Vertrauen langjähriger Investoren. Trotz extrem niedrigem Aktienkurs haben vier Geldgeber ihre Anteile losgeschlagen, die schon vor dem Börsengang im November beteiligt waren. Das berichtet das "Wall Street Journal". Unter anderem kehrt mit Marc Andreessen einer der prominentesten Köpfe des Internets Groupon den Rücken. Zuvor soll es Meinungsverschiedenheiten mit dem Management gegeben haben.
Die Flucht der Investoren untergräbt Anstrengungen von Groupon, Zweifel am Geschäftsmodell zu zerstreuen. Der Konzern vermittelt Rabatte lokaler Händler an weltweit 38 Millionen aktive Nutzer und kassiert dafür Provision. Groupon geriet wegen Pannen bei der Schnäppchenvermittlung und fehlerhafter Bilanzen in die Schlagzeilen. Seit dem Börsengang im November hat die Aktie drei Viertel an Wert verloren, allein seit enttäuschenden Quartalszahlen am 13. August fiel der Kurs um fast 40 Prozent.
Laut Bericht hat Andreessen seine 5,1 Millionen Aktien bereits kurz nach dem Ende der Sperrfrist am 1. Juni verkauft und damit noch einen Gewinn von 14 Mio. Dollar erzielt - inzwischen wären die Anteile weniger wert als die 40 Mio. Dollar, die seine Firma Andreessen Horowitz im Januar 2011 investierte. Wenige Monate vor dem Börsengang hatte Groupon 950 Mio. Dollar eingesammelt.
Andreessen machte sich in den 90er-Jahren als Erfinder des ersten grafischen Webbrowsers Mosaic und Gründer von Netscape einen Namen, ist als Investor am Kurznachrichtendienst Twitter beteiligt und sitzt im Verwaltungsrat von Facebook.
Von verschiedenen Seiten soll es zudem Vorwürfe geben, das Management habe Groupon im Sommer zu früh an die Börse gebracht. Neben Andreessen soll sich auch Mary Meeker für eine Verschiebung ausgesprochen haben. Die 52-Jährige erlebte zur Jahrtausendwende das Platzen der Internetblase als Analystin bei der Bank Morgan Stanley mit und ist mit dem Risikokapitalgeber Kleiner Perkins Caufield Byers an Groupon beteiligt. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen aber keine Groupon-Aktien verkauft. Auch Starbucks-Chef Howard Schultz, der bis April im Groupon-Aufsichtsrat saß, soll Zweifel am Börsengang geäußert haben.
Im Gespräch mit der FTD hatte Auslandschef Veit Dengler jüngst Fehler im Umgang mit Händlern eingeräumt und um Vertrauen geworben. Intern habe das Unternehmen den "Reset-Button" gedrückt.