Neckermann.de verzichtet künftig auf ein Eigentextilsortiment, vertreibt Textilmarken nur noch von Partnern. Und das Printgeschäft fällt endlich ganz weg.
Dass Versandhandel heute alles mit Internet zu tun hat und herzlich wenig mit dicken, teuren Printkatalogen, ist dabei die wohl am wenigsten originäre Erkenntnis. Es wirkt schon leicht angestaubt, wenn Neckermann.de mitteilt, in Zukunft "echter Onlinehändler" sein zu wollen. Die Frage ist nur: Und was ist dieser Versandhändler noch? Für was steht das Unternehmen?
Es ist die Frage, die sich alle klassischen Universalversender stellen müssen. Besser: längst hätten stellen müssen. Während Spezialversender auch in Zeiten von Amazon , Ebay und Zalando erkennbar bleiben und ihre Nischen verteidigen, müssen die Neckermänner mühsam das Profil schärfen. Sie versuchen es mit einem stärkeren Fokus auf Technik und Möbel. Unterscheidbar werden und gleichzeitig sparen - das bedeutet paradoxerweise, im Zweifel sogar auf Unterscheidbarkeit im Textilsortiment zu verzichten, wenn der Mehrwert zu gering ist.
Sich von bestimmten Sortimenten zu verabschieden dient dieser Schärfung des Profils, ist also ein Schritt in die richtige Richtung. Dabei ausgerechnet die eigene Textilkollektion aufzugeben, etwas, das im Internet unterscheidbar macht und von keinem Konkurrenten zu kopieren ist, leuchtet mit etwas Abstand betrachtet nicht ein. Es erklärt sich erst, wenn man weiß, dass Neckermann versucht hat, diese alte Kernkompetenz ins Onlinezeitalter zu retten, dabei aber gescheitert ist. Insofern ist die aktuelle Radikalkur kein Zeichen der Stärke, sondern eins der Schwäche.