Douglas -Aktionäre hatten Dienstag einen guten Tag. Kaum war bekannt geworden, dass der Finanzinvestor Advent mit den beiden Douglas-Großaktionären Oetker und Erwin Müller die Übernahme der Anteile vereinbart hatte, schoss der Aktienkurs in die Höhe. Er schloss knapp 5,5 Prozent im Plus, die Aktie lag bei 35,60 Euro.
Das entspricht fast dem Kurs, den die Beteiligten FTD-Informationen zufolge für ein Übernahmeangebot planen. Mit 38 bis 40 Euro je Aktie will Advent einen hohen Preis zahlen: Um das Geld wieder einzuspielen, muss der Investor den Wert der Unternehmensteile schnell und deutlich steigern. Das dürfte dazu führen, dass der Douglas-Konzern in seiner heutigen Form womöglich dem Ende entgegensieht.
Das hat Advent in vielen früheren Investments so gezeigt. Der US-Investor gilt als wachstumsorientiert, dabei aber als Spezialist für schwierige Fälle. Eine Verbesserung des operativen Geschäfts ist bei Advent - anders als bei manchen Rivalen - nicht nur ein Schlagwort. Mit seinem jüngsten, 2008 aufgelegten Fonds von 6,6 Mrd. Euro Eigenkapital zählt Advent zu den weltweit größten Private-Equity-Gesellschaften. Mit dem Geld nehmen sich die Amerikaner gern mittelgroße Firmen vor. Dort sind Veränderungen leichter umzusetzen als bei Großkonzernen. Beispiele aus Deutschland sind der Forderungsmanager GFKL oder etwa der Spezialchemiekonzern H.C. Starck.
Ein Vorbild für die Douglas-Restrukturierung könnte RWE Solutions sein, die frühere Service- und Techniksparte des Energiekonzerns RWE : Das Sammelsurium aus sechs unabhängigen Unternehmen kaufte Advent 2006 für gut 700 Mio. Euro, um es zu sanieren und in Einzelteilen zu verkaufen. Erst im Mai 2012 wurde mit dem Uran-Handelsunternehmen Nukem Energy der letzte Solutions-Teil weiterveräußert. Branchenkreisen zufolge war RWE Solutions für Advent ein sehr lukratives Geschäft.
In Finanzkreisen wird davon ausgegangen, dass auch Douglas zerschlagen werden könnte. Denn der Zustand der einzelnen Teile ist sehr unterschiedlich und der Wert der Einzelteile deshalb vermutlich höher als der des heutigen Konzerns. Diese Ansicht teilt jedenfalls Vorstandschef Henning Kreke - der darum monatelang selbst einen Finanzinvestor für die Vollübernahme gesucht hatte.
Die Parfümeriekette ist der alles bestimmende Wert von Douglas. Sie erwirtschaftete mit 1,9 Mrd. Euro 2011 knapp 60 Prozent des Konzernumsatzes von 3,3 Mrd. Euro und mit 107 Mio. Euro sogar fast 80 Prozent des Konzernvorsteuergewinns. Zumindest in Deutschland sind die Parfümerien mit großem Vorsprung Marktführer. In mehreren Auslandsmärkten mussten sie sich geschlagen geben. Noch hat der Strukturwandel mit Umsatzverlagerungen zum Onlinehandel das Parfümeriegeschäft zwar nicht erreicht, grundsätzlich bedroht er aber auch Douglas. Advents Investition wird sich vor allem dann rechnen, wenn es dem Investor gelingt, den Parfümerien neue Wachstumsperspektiven zu geben oder die Kette an einen strategischen Investor weiterzuverkaufen. Ein möglicher Interessent: Sephora. Die französische Parfümeriekette des Luxusunternehmens LVMH hatte schon einmal Interesse durchblicken lassen.
Der Buchhändler ist das Problem und verantwortlich dafür, dass Douglas für das laufende Jahr keine Dividende zahlen wird. Er steht für knapp 30 Prozent des Konzernumsatzes. Seine Erlöse allerdings verschwinden unaufhaltsam Richtung Internet, wo Thalias Position schwach ist. So sind Buchhandelsketten derzeit unverkäuflich, wie neben Douglas auch die Weltbild-Gruppe bei entsprechenden Versuchen feststellen mussten. Advent könnte versuchen, Thalia herauszulösen, um den Konzern nicht mehr mit der Tochter zu belasten.
Das Juweliergeschäft wäre für Käufer interessant, ebenso mit Abstrichen die Süßwarengeschäfte. Ein Problem bleiben die gerade halbwegs gesundeten Modehäuser. Allen drei Teilen gemein ist aber, dass sie aus Advent-Sicht vernachlässigbar sind: Christ steht für ein Zehntel des Umsatzes, die anderen beiden für knapp sieben Prozent. Alle verdienen ein paar Hunderttausend Euro.
| Die Douglas-Gründerfamilie Kreke/Eklöh und das Familienunternehmen Oetker sitzen seit den 90er-Jahren zusammen im Aktionärskreis von Douglas. Zuletzt hatte die Dr. August Oetker Finanzierungs- und Beteiligungsgesellschaft 2008 ihre Anteile massiv aufgestockt und dabei kurz nacheinander die meldepflichtigen 20-Prozent- und 25-Prozent-Schwellen überschritten. Seitdem beträgt der Anteil 25,81 Prozent. Dieser war zwar nie mit dem der Krekes in einem vertraglich geregelten Aktionärspool gebündelt - gleichwohl haben insbesondere die Krekes stets die Solidarität und die gemeinsamen Interessen der Familien als Beleg dafür angeführt, dass der feindlich gesinnte Aktionär Erwin Müller keine Möglichkeit habe, eine Aktienmehrheit an Douglas zusammenzukaufen. Müller hält 10,81 Prozent der Aktien und Optionen für etwa 15 Prozent. |
| Inzwischen ist klar, dass sich der Finanzinvestor Advent sowohl mit Oetker als auch mit Müller auf eine Übernahme der Anteile geeinigt hat. Gespräche mit der Familie Kreke laufen FTD-Informationen aus Finanzkreisen zufolge noch. Sie sollen ihre Aktien verkaufen und könnten dafür über eine Rückbeteiligung an einer neuen, Douglas übergestülpten Zweckgesellschaft beteiligt werden. Ein Ergebnis steht aber noch aus. Die Zusammenarbeit mit den Oetkers wird jedenfalls nicht aufrechterhalten. Die wollen das Geld abziehen und anderweitig einsetzen, heißt es. Die Krekes seien früh informiert worden. Oetker macht dabei ein ordentliches Geschäft. Die Aufstockung 2008 war über Optionen teilweise zu Kursen geschehen, die über dem jetzt von Advent gebotenen liegen. Oetkers Altbestand aus den 90ern ist aber für Kurse unter 30 Euro gekauft. |