Ein zwei Millimeter tiefer Riss sei in der vergangenen Woche bei einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung in der Achse eines ICE mit Neigetechnik (Typ ICE-T) entdeckt worden, sagte Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch am Donnerstag in einer Videokonferenz in Frankfurt. Die Achse bestehe aus einem ähnlichen Material wie bei dem im Juli in Köln entgleisten ICE-3. Der Zug war damals wegen einer gebrochenen Achse bei niedriger Geschwindigkeit entgleist.
Nun wird es vorläufig in vielen ICE-Zügen eng werden: Die Bahn hat den Verkehr eingeschränkt - auf zahlreichen Linien fahren die Züge nur noch mit halber Länge, also halb so vielen Sitzplätzen. Denn das Eisenbahnbundesamt hatte am Montag häufigere Untersuchungen der Radsatzwellen aller 130 ICE-T und ICE-3 angeordnet. Die Einschränkungen vor allem entlang des Rheins und auf der Strecke Hamburg-Berlin-München würden noch bis Ende kommender Woche dauern, sagte Rausch. Die häufigeren Prüfungen seien eine vorsorgliche Maßnahme, "die jedes Risiko für unsere Kunden ausschließen".
Die ICE-3-Züge müssen alle 30.000 Kilometer oder alle 20 Tage in die Werkstatt, weil die Ursache des Achsbruchs vor drei Monaten nach wie vor nicht eindeutig geklärt ist. "Es könnte ein Materialfehler sein", sagte Rausch. Der Hersteller habe ursprünglich empfohlen, die Achsen alle 480.000 Kilometer zu untersuchen. Die verkürzten Intervalle bedeuten, dass jeder Zug alle 3 Wochen für 16 Stunden ausfällt.
Der Aufwand lässt sich laut Rausch noch nicht beziffern. "Zur Zeit wird in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet", um die Züge zu untersuchen. Es seien neue Prüfmaschinen bestellt worden, und rund 50 Mitarbeiter müssten als Prüfer neu eingestellt werden. Erst Ende des Jahres werde alles wieder rund laufen, sagte Rausch.
Das Eisenbahn-Bundesamt teilte mit, Grund für die verschärfte Kontrolle sei, dass die Bahn derzeit zu einer millimetergenauen Überprüfung der Radsatzwellen technisch noch nicht in der Lage sei. Daraufhin habe man eine zweimillimetergenaue Überprüfung angeordnet mit der gleichzeitigen Verfügung, die Inspektionsintervalle zu halbieren, sagte ein Sprecher. Zu den ICE-T-Zügen sagte er, die Bahn habe von sich aus die Inspektionsintervalle bei den Radsatzwellen verkürzt, um auf Nummer sicher zu gehen. "Wir wurden informiert und prüfen das jetzt", erklärte er.
dpa, AP