Das Bundeskartellamt stößt sich an den Provisionspraktiken des Hotelbuchungsportals HRS. "Die zuständige Beschlussabteilung hat die Sache sehr genau im Blick", sagte ein Kartellamtssprecher der FTD. Die HRS-Gruppe will vom 1. März an die Buchungsprovision von 13 auf 15 Prozent hochschrauben. Viele Hoteliers sehen darin den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung und lehnen sich deshalb auf. HRS-Chef Tobias Ragge wies die Vorwürfe zurück.
Damit eskaliert die Auseinandersetzung zwischen der hiesigen Hotelbranche und dem führenden deutschen Buchungsportal HRS, zu dem auch die Tochterfirmen Hotel.de und Tiscover gehören. Es geht um Margen und Konditionen. Hotels sind zunehmend auf den Vertrieb über populäre Internetseiten angewiesen und wollen hier die Kosten möglichst klein halten. HRS (Hotel Reservation Service) wiederum finanziert sich allein durch Provisionszahlungen der Hotels, die nur bei tatsächlich erfolgten Buchungen anfallen.
In der Hotelbranche wird massiver Protest gegen das neue Provisionsmodell von HRS laut. Mehr als 500 Hoteliers haben über Facebook zu einer "HRS-freien Woche" aufgerufen, die am 1. März beginnen soll. Dort heißt es: "Der Provisionswahn muss ein Ende haben. Hoteliers, zeigt euch und steht auf für eure Freiheit." Die Hotels wollen sich dann temporär von der HRS-Seite entfernen lassen.
Im bei Touristen sehr gefragten Rothenburg ob der Tauber beispielsweise trafen sich am Dienstag Hoteliers, um über ein gemeinsames Vorgehen gegen HRS zu beraten. "HRS kassiert gnadenlos, da müssen wir uns zusammenschließen", sagte ein Manager der beiden Rothenburger Häuser Burg Hotel und Hotel Meistertrunk. Er erinnerte daran, dass man einst mit Boykottaktionen erreicht habe, dass sich die Kreditkartenorganisation American Express statt mit einem Anteil von fünf Prozent am Hotelumsatz schließlich mit 2,5 Prozent zufriedengegeben habe.
Zudem wurde das Kartellamt von mehreren Hotelbetreibern informiert. "Uns liegen zahlreiche Beschwerden vor", bestätigte der Sprecher der Wettbewerbsbehörde. Er wollte aber noch keine Aussage dazu machen, ob HRS über eine marktbeherrschende Stellung verfüge und diese missbrauche. "Kommen wir zu diesem Schluss, dann werden wir eingreifen", sagte er.
HRS-Geschäftsführer Ragge wies die Vorwürfe der Hoteliers zurück. Steigende Vertriebskosten, neue Technologien und die internationale Expansion seien der Grund für die Preisanhebung auf 15 Prozent. "Damit liegen wir im Vergleich mit der Konkurrenz immer noch im unteren Drittel", sagte er der FTD. Andere Onlineportale würden 15 bis 25 Prozent Provision nehmen, Reisebüros sogar 25 Prozent und Reiseveranstalter bis zu 30 Prozent, so Ragge: "Wir sind weiterhin der günstigste Kanal."
Einige Beschwerden und Vorwürfe gegen HRS gingen bereits im Oktober beim Kartellamt ein. Damals hatte das Kölner Unternehmen die Mehrheit am Konkurrenten Hotel.de übernommen. HRS-Eigentümer Robert Ragge und sein Sohn Tobias konnten so ihre ohnehin schon führende Stellung im deutschen Markt der Online-Hotelbuchungen, die sich ohne Hotel.de auf knapp 39 Prozent belief, weiter ausbauen. Branchenkenner schätzen den Marktanteil der Gruppe mittlerweile auf mehr als 60 Prozent.
Beim Kartellamt war die Übernahme gleichwohl nicht zustimmungspflichtig, weil die Umsätze der beiden Buchungsportale nicht die Grenze von 500 Mio. Euro überstiegen haben. HRS zahlte 43 Mio. Euro, um seinen Anteil an Hotel.de auf 64,6 Prozent aufstocken zu können. Die Gruppe vermittelt online mehr als 250.000 Hotels in 180 Ländern. Im Jahr 2010 setzte die HRS-Gruppe 160 Mio. Euro um. Zur Ertragslage macht Ragge keinen Angaben.
Schon im Oktober warnte der deutsche Hotelverband IHA davor, dass HRS seine Position ausnutzen könne. IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe wertet die Provisionsanhebung nun als "Paukenschlag". In seinem Blog schrieb Luthe, "dass der wahre Grund dieser Demonstration der Stärke in der nun noch marktbeherrschenderen Stellung" von HRS liege. Tobias Ragge sagte, dass HRS auch ohne den Erwerb von Hotel.de die Provision nach oben gesetzt hätte.