Verspätung beim Börsengang erwartetDabei darf sich Mehdorn vor allem in Fernverkehr keine Schlappe leisten. Der Personenverkehr ist das Zugpferd für den Börsengang. Wer will schon die Aktie eines Unternehmens, das einen am Bahnhof stehen lässt? "Der Umsatz des Fernverkehrs macht zwar nur rund zehn Prozent des Gesamtkonzernumsatzes aus, die emotionale Wirkung ist aber viel größer", weiß auch Vorstand Rausch. Wenn nur ein Teil der Fahrgäste negative Erfahrungen mache, "wirkt sich das sofort auf das Gesamtunternehmen aus."
Doch Experten zufolge wird Mehdorn bei seinem Fahrplan zur Börse ohnehin erhebliche Verspätung einkalkulieren müssen. "Dafür muss die Bahn eine Imagewende hinkriegen und endlich nicht mehr Schlusslicht deutscher Unternehmen sein", sagt Dieter Schneiderbauer, Transportexperte der Unternehmensberatung Mercer Management: "Durch das Preischaos hat sie mindestens ein Jahr verloren. Allein deshalb wird es einen Börsengang 2005 nicht geben."
Viel Arbeit für den Bahnchef, wenn er Mitte August in sein Büro im Berliner Bahntower zurückkehrt. Als erstes wird sein Blick an seinem Schreibtisch hängen bleiben. Darauf steht ein Schild: "No Surprises." Dabei braucht Mehdorn das wohl am dringendsten: eine große Überraschung.
Für Vielfahrer Die Bahncard mit einer Ermäßigung von 50 Prozent kommt zurück, ist aber mit 200 Euro für die zweite Klasse deutlich teurer als früher. Diese Karte rentiert sich bei Ausgaben von mehr als 400 Euro jährlich. Für alle, die im Jahr wenigstens 200 Euro für Tickets ausgeben, lohnt sich die Bahncard 25 (50 Euro); Besitzer der Bahncard 100 (3000 Euro) fahren auf allen Strecken kostenlos. Anders als die frühere Netzkarte ist diese Karte nicht mehr übertragbar.
Für Schnäppchenjäger Auch künftig kann, wer sein Ticket zeitig ordert, Schnäppchen machen. Das Frühbuchersystem wird aber einfacher: Fortan gibt es nur die Wahl zwischen 25 oder 50 Prozent Ersparnis. Tickets müssen spätestens drei Tage vor Fahrtantritt gekauft werden. Je nach Buchungstag vor der Abfahrt lockte das bisherige Tarifsystem mit 10, 25 oder sogar 40 Prozent Ermäßigung.
Strikte Trennung Frühbucher- und Bahncard-Rabatte sind künftig nicht mehr miteinander kombinierbar. Besitzer der alten Bahncard 25 dürfen ihre Ermäßigungen jedoch noch bis Herbst 2004 mit Sparpreisen für Frühbucher verknüpfen.
Lieblingskind und Sorgenkind Gut die Hälfte der Umsätze zieht die Bahn aus dem - öffentlich bezuschussten - Regionalverkehr; massive Probleme hat der Konzern indes auf langen Strecken. Ob sich das durch die Reform der Preisreform ändert, ist ungewiss.