Was so großartig ist, wird aber mitunter (zu) intensiv genutzt. In den vergangenen Jahren ist die Liebe der Schweizer zu ihrer Bahn noch gewachsen. Und so muss die SBB durchgreifen, um den immer zahlreicheren Fahrgästen komfortables Reisen zu ermöglichen. Im Visier: Gepäcksünder.
Zur Umstellung des Fahrplans Mitte Dezember macht die SBB in allen Zügen schriftlich und per Piktogramm die neuen Regeln klar. "Pro Person" sei nur "ein Sitzplatz zu belegen", Taschen, Koffer, Rucksäcke und Jacken aber haben kein Recht darauf.
Mehrere Eskalationsstufen
Renitente Platzbesetzer, die den Sitz nicht für Mitreisende räumen, können vom Schaffner rausgeschmissen werden. Aber im Konsensstaat Schweiz nicht sofort. Erst mal kommt eine Durchsage, sagt ein SBB-Sprecher. "Dann sucht der Zugbegleiter das direkte Gespräch." Bleibt die Tasche auf dem Sitz, muss ein teures Zusatzticket gelöst werden. Erst bei Totalverweigerung folge der Rauswurf. "Bisher ist das noch nie vorgekommen."
In den Beförderungsbedingungen der SBB steht das Ein-Sitz-Gebot zwar bereits. Aber mit denen hat noch kaum ein Schaffner erfolgreich argumentiert. Der Wunsch nach Sichtbarkeit der Regeln und nach Sanktionen sei von den Zugbegleitern gekommen, heißt es bei der SBB. Die Kundenreaktionen sind gemischt. Ein Onlinebericht des Schweizer Mediums "20 Minuten" zählt Hunderte Kommentare, vom "Recht so" bis zum Hinweis, die Gepäckfächer seien halt zu klein. Per offenen Brief appelliert SBB-Vorstand Jeannine Pilloud am Dienstag: "Ein leerer Platz wirkt einladender als ein besetzter."
Die Deutsche Bahn (DB) erwägt solche Anweisungen nicht. "Wir setzen weiterhin auf gegenseitiges höfliches Benehmen", sagt eine Sprecherin. Doch auch nach den Beförderungsbedingungen der Bahn steht jedem nur ein Platz zu. Überhaupt findet sich in solchen Dokumenten Interessantes. Ein Alkoholverbot, wie jüngst in Hamburg eingeführt? Gibt es bei der DB-Tochter S-Bahn Berlin längst. Es setzt nur keiner durch. Dabei könnte die Deutsche hier mal der Schweizer Bahn etwas vormachen.