Als Beispiel nennt er den ostdeutschen Jachtenproduzenten Hanse. Als das Unternehmen vor einigen Jahren Vertriebsgesellschaften in den USA eröffnen wollte, begleitete Lüdemann die Transaktion zusammen mit einem Ecovis-Büro in den USA. Typisch war auch eine Transaktion für einen Fensterrahmenproduzenten, der seine Produktionsstätten nach China auslagerte. Die Ecovis-Franchisenehmer in China entschieden vor Ort, welche Rechtsform steuergünstig oder welcher Standort sinnvoll ist.
Klassischen Einzelkanzleien - die noch immer rund 70 Prozent des Marktes ausmachen - fehlt Lüdemann zufolge in der Regel das Know-how, um ihren Mandanten grenzüberschreitende Lösungen zu bieten. Sie stehen vor einem Dilemma: Können sie keinen entsprechenden Service bieten, sind sie schnell ausgebootet. Und auf eigene Faust einen Partner im Ausland zu suchen, ist in der Regel aufwendig und teuer. Die sogenannten "Big Four" der internationalen Steuerberatungsunternehmen - Ernst & Young, PriceWaterhouseCoopers, KPMG und Deloitte - warten nur darauf, große Mittelständler in ihren Klientenkreis aufzunehmen.
Deswegen suchen die kleineren Büros Anschluss an Netzwerke. "Steuerberater erkennen zunehmend, welchen Nutzen sie davon haben", sagt Klaus Resing vom Wiras Verbund für mittelständisch orientierte Steuerberater. "Vor zehn Jahren war das noch kein Thema, doch jetzt ist die Konkurrenz gewachsen und der Preiskampf stärker geworden." Mit der Vernetzung haben die Berater gleichzeitig ein gutes Marketinginstrument zur Hand. Wichtig sei den Beratern aber auch der gegenseitige Austausch und die Möglichkeit, größere Mandate anzunehmen. Denn durch die personellen und fachlichen Ressourcen, auf die sie im Netz flexibel Zugriff haben, lassen sich auch umfangreichere Fälle stemmen.
Die Steuerberater folgen mit ihrer Internationalisierung einem generellen Trend in der Dienstleistungsbranche. Nicht alle Berater ebnen sich dabei ihren Weg ins Ausland durch Franchiseverträge oder Netzwerke. Einige schauen sich die Expansionsstrategie bei ihren Kunden, den Industrieunternehmen, ab - und gründen Joint Ventures. So kündigte etwa Goetzpartners, eine Corporate-Finance- und Managementberatung, unlängst eine strategische Zusammenarbeit mit der Investmentbank Avendus in Indien an. Dadurch erschließe man sich einen unmittelbaren Marktzugang, und mögliche Hindernisse - wie etwa kulturelle Unterschiede oder bürokratische Hürden - fielen weg, schwärmt Stephan Goetz, Managing Director bei Goetzpartners.
Ein lockerer Verbund komme für Goetzpartners nicht in Frage. "Die gemeinsame Kundenentwicklung erfordert ein enormes Investment in Wissen, Informationsaustausch, Reisen und Marketing. Das macht niemand in einem losen Verbund", sagt Goetz. as gelte für die transatlantischen Netze, aber noch viel mehr in neuen Märkten. Feste Bindung oder lockeres Miteinander - offenbar eine Geschmackssache.