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Merken   Drucken   23.03.2011, 11:28 Schriftgröße: AAA

Reederei: Krisen bremsen Hapags Börsengang

Vor Ostern wird es für die Reederei Hapag-Lloyd keinen Gang auf das Parkett geben. Die Eigner zögern. Das verheerende Erdbeben in Japan und der Krieg gegen Gadaffi haben die Märkte zu stark verunsichert.
© Bild: 2011 AFP
Vor Ostern wird es für die Reederei Hapag-Lloyd keinen Gang auf das Parkett geben. Die Eigner zögern. Das verheerende Erdbeben in Japan und der Krieg gegen Gadaffi haben die Märkte zu stark verunsichert. von Leo Klimm  , Sven Oliver Clausen  Hamburg und Jennifer Lachman  Frankfurt
Die Katastrophe in Japan und der Krieg in Libyen verzögern den Börsengang von Hapag-Lloyd. Der Kapitalmarkt sei wegen der Krisen derart verunsichert, dass der Plan von Mitte April auf frühestens Ende Mai verschoben wurde, hieß es in Kreisen der weltweit fünftgrößten Reederei. Unabhängig davon äußerte der künftig größte Hapag-Aktionär, die Kühne Holding des Logistikunternehmers Klaus-Michael Kühne, klare Erwartungen an interessierte Investoren: "Es ist ein substanzielles Investment nötig. Alles, was unter zehn Prozent liegt, würde keinen Sinn ergeben", sagte Holding-Chef Karl Gernandt  dem Wirtschaftsmagazin Capital.
Der Aufschub des Börsengangs stellt für den bisher noch größten Gesellschafter, den verkaufswilligen Reisekonzern TUI, ein Wagnis dar: Zum einen ist unsicher, ob die Märkte sich bis zum Frühsommer von den Weltkrisen erholen - was nötig wäre, damit ein zweiter Anlauf gelingen kann. Zum anderen muss TUI-Chef Michael Frenzel  hoffen, dass sich die Geschäfte bei der Hamburger Traditionsreederei bis dahin nicht verschlechtern, da dies den Ausgabepreis mindern könnte. Der Verkauf von Hapag ist ein wichtiger Teil in seiner Strategie, TUI  zu einem reinen Reisekonzern umzubauen.
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Hapag hatte jedoch jüngst einen verhaltenen Ausblick auf das Geschäftsjahr gegeben: Die Kosten würden 2011 schneller wachsen als der Umsatz, der Ertrag werde durch hohe Aufwendungen gedrückt, hieß es. Auch bei den übrigen Hapag-Gesellschaftern, zu denen neben Kühne die Stadt Hamburg und die Versicherung Signal Iduna gehören, war am Dienstag die Befürchtung zu vernehmen, die Verzögerung der Emission könnte zu einer schlechteren Bewertung führen.
Trotz hoher Schulden kann TUI es sich aber erlauben, auf die Einnahmen aus der Erstnotiz zunächst zu verzichten: Kürzlich verkaufte der Konzern für mindestens 315 Mio. Euro 11,3 Prozent seines Hapag-Pakets an Kühne - der damit künftig 25 Prozent hält. Zudem hat TUI sich erst am Dienstag über Wandelanleihen mit 339 Mio. Euro Nennwert frisches Geld verschafft.
Mit der Verzögerung beim Börsengang wird nach Informationen aus dem Hapag-Umfeld eine andere Option wieder intensiver geprüft: der direkte Verkauf eines Großteils des verbleibenden Hapag-Pakets von TUI an einen Einzelinvestor. Der Tourismuskonzern, der nach dem Geschäft mit Kühne noch 38,4 Prozent an Hapag besitzt, kalkulierte dem Vernehmen nach bislang damit, mittelfristig nur etwa zehn Prozent zu behalten.
Zu seinen Erwartungen sagte Kühnes Statthalter Gernandt: "Es muss ein strategischer Investor sein. Gegen einen Finanzinvestor würden wir uns mit Händen und Füßen wehren." Hintergrund ist, dass Gernandt von den neuen Eigentümern in den nächsten Jahren weitere Geldspritzen erwartet, damit Hapag den Anschluss an den dänischen Branchenführer Maersk nicht verliert. Denn der hat unlängst zehn neue Schiffe mit Stellplatz für 18.000 20-Fuß-Container gekauft. "Bestellt Hapag davon zum Beispiel sechs Schiffe, braucht das Unternehmen mindestens 1 Mrd.Euro." Gernandt verhandelt nach eigenen Angaben mit TUI vor allem mit Interessenten aus dem Nahen Osten und Asien über einen Einstieg bei Hapag.
Sollten die Investoren über den von TUI bevorzugten Börsengang beteiligt werden, könnte dieser frühestens Ende Mai, auf Grundlage des dann vorliegenden Quartalsergebnisses, stattfinden. Einen entsprechenden Beschluss müssten die Eigner Ende April fassen. Sprecher der beteiligten Unternehmen wollten sich nicht äußern.
Kämpfer in eigener Sache
Mit dem Aufschub des Börsengangs steigt nun auch die Wahrscheinlichkeit, dass TUI-Chef Michael Frenzel länger bleiben wird, um den Umbau des Konzerns abzuschließen. Der aktuelle Vertrag des 64-Jährigen, der TUI seit 1994 führt, läuft im März 2012 aus. Der neu gewählte Aufsichtsrat, der die Personalie entscheidet, kommt aber erst am 11. Mai zusammen. Zumindest ein zweiter Anlauf aufs Parkett ist bis dahin aber nicht möglich.
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  • FTD.de, 23.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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