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Merken   Drucken   11.03.2006, 10:00 Schriftgröße: AAA

Reisewirtschaft: Tourismus in Flutgebieten erholt sich nur langsam

Die von den Tsunami-Flutwellen im Indischen Ozean überschwemmten Feriengebiete haben sich im letzten Jahr langsamer als in der Branche erwartet von den Folgen der Katastrophe erholt. "Wir hätten mit einem schnelleren Aufschwung gerechnet", sagte John Koldowski von der Pacific Asia Travel Association (Pata) der FTD. von Sabine Muscat, Berlin
Luftaufnahme der Rahmatullah Lampuuk Moschee in der Nähe von Banda ...   Luftaufnahme der Rahmatullah Lampuuk Moschee in der Nähe von Banda Aceh. Innerhalb eines Quadratkilometers war die Moschee das einzige Gebäude, das in dieser vom Tsunami völlig zerstörten Gegend stehen blieb
Den Grund sieht er darin, dass auch andere Faktoren, etwa politische Unsicherheit, Touristen abgeschreckt hätten. Auch habe der Wiederaufbau der Flugkapazitäten mit der anziehenden Nachfrage nicht immer Schritt gehalten.
So stieg die Zahl der Einreisen auf den Malediven zu Jahresbeginn erstmals wieder auf über 50.000. 58.332 Besucher wurden im Januar 2006 gezählt, im Januar 2004 waren es 61.861. In Phuket gab es im September 2005 wieder 509 Hotels, ein Jahr vorher waren es 579. Doch reisten von Juli bis September nur 521.657 Gäste ein - mehr als die Hälfte weniger als im Vorjahr.
Der Tourismus in den Flutgebieten darbe vor allem im innerasiatischen Geschäft, sagte Koldowski. Touristen aus Ländern mit ausgeprägtem Ahnenkult wie China oder Korea meiden Phuket aus Furcht vor den Geistern der Toten.
Neue Probleme belasten den Tourismus in der Region zusätzlich: In Sri Lanka ist die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg gestiegen, wenn auch außerhalb der Touristengebiete. In Thailand hat die aktuelle Regierungskrise Angst vor Instabilität geschürt. Die indonesische Tourismusindustrie spürte die Folgen des Tsunami nur kurz, da die Provinz Aceh kein Reiseziel ist. Dennoch konnte sich die Branche nicht erholen. "Wir wurden im letzten Jahr dreimal angegriffen: im ersten Quartal vom Tsunami, im zweiten Quartal von der Vogelgrippe und im vierten Quartal von dem Bombenanschlag auf Bali im Oktober", sagte Indonesiens Tourismusminister Jero Wacik der FTD. Derzeit reisen etwa rund 3000 Touristen täglich nach Bali, normal wären dagegen 5000.
In den Tsunami-Gebieten liegt laut Koldowski ein großes Problem darin, dass viele Fluglinien Verbindungen reduziert und wegen der hohen Kerosinpreise nicht wieder eingerichtet haben. So hat die Hongkonger Gesellschaft Dragon Air ihr Büro auf Phuket ganz geschlossen. Die Regierung der extrem vom Tourismus abhängigen Malediven denkt darüber nach, eine nationale Fluggesellschaft zu gründen - um unabhängig von ausländischen Linien zu werden.
  • FTD.de, 11.03.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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