Weltmeere und Weltraum - diese unerforschten Weiten locken erfolgreiche Unternehmer, die schon Millionen gescheffelt haben und nun ihre Jugendträume verwirklichen wollen. Jeff Bezos, Gründer des Onlinehändlers Amazon , hat den nächsten Coup gelandet: Bei einer Expedition im Atlantik habe er die verschollenen Raketenmotoren der Raumfahrtmission Apollo 11 gefunden, teilte er mit. Gefunden hat sie genauer gesagt ein Team von Wissenschaftlern, das der Selfmade-Milliardär bezahlt.
Bezos ist nicht der einzige Milliardär, der sich ein bisschen Abenteuer erkauft. Auch "Titanic"-Regisseur James Cameron zog es 15 Jahre nach seinem Blockbuster zurück ins Meer: Anfang der Woche tauchte der 57-Jährige von seiner Erkundung des Marianengrabens aus über 10.000 Metern Tiefe auf - rechtzeitig vor Erscheinen der 3-D-Version seines Films. Virgin-Milliardär Richard Branson will ebenfalls noch in diesem Jahr dorthin.
Microsoft -Mitgründer Paul Allen wiederum kündigte im Dezember unter dem Namen "Stratolaunch" eigene Pläne für ein kommerzielles Raumschiff an. "Für alle, die sich für schwierige technische Herausforderungen interessieren, ist das All die ultimative Herausforderung", so Allen. Auch Elon Musk, Co-Gründer des Bezahldiensts Paypal, hat sich mit seiner Raumfahrtkapsel Dragon am "Space Race" der Silicon-Valley-Milliardäre beteiligt.
Bezos hofft auf einen geschichtsträchtigen Fund. "Wir wissen nicht, in was für einem Zustand sich die Triebwerke befinden", schrieb er auf der Internetseite seiner Stiftung Bezos Expeditions. Die Motoren seien damals schließlich mit großer Geschwindigkeit auf den Meeresboden geprallt und hätten mehr als 40 Jahre im Salzwasser verbracht. Andererseits seien sie aus widerstandsfähigem Material. "Wir werden sehen."
Seit die Apollo-11-Mannschaft am 16. Juli 1969 ins All gestartet war und Neil Armstrong vier Tage später als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte, lagen die fünf F-1-Motoren der "Saturn V"-Rakete auf dem Meeresgrund. Nie habe ihn das Schicksal der Triebwerke losgelassen, sagte Bezos. "Ich war fünf Jahre alt, als ich die Apollo-11-Mission im Fernsehen sah. Das war der Grundstein für meine Leidenschaft für Wissenschaft, Technik und Forschung." Vor einem Jahr habe er sich in den Kopf gesetzt, die Raketentriebwerke zu finden.
Sein Team plane nun, mindestens eines davon zu bergen. Zwar seien sie nach wie vor Eigentum der US-Raumfahrtbehörde. Er hoffe aber, einen der Motoren im Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum ausstellen zu können. Und sollte es gelingen, einen zweiten an die Oberfläche zu bringen, würde er den gern in Seattle präsentieren - dem Hauptsitz von Amazon.
Bezos findet dieses Engagement ganz natürlich: "Die Nasa ist eine der wenigen Einrichtungen, die sogar Fünfjährige inspirieren kann", schrieb er in seinem Blog. Er hoffe, dass nun vielleicht Jugendliche auf die Idee kämen, selbst zu experimentieren und Großes zu schaffen. Er selbst bastelt in der Nähe von Seattle seit mehr als zehn Jahren mit seinem Raumfahrt-Startup Blue Origin an eigenen Trägerraketen. Noch in diesem Jahr sollen die ersten bemannten Flüge starten. Ein letzter Testflug im August endete allerdings wenig erfolgreich: Die Rakete musste wegen eines Triebwerksausfalls in knapp 14.000 Metern Höhe gesprengt werden.