Im Hamburger Hafen floriert der illegale Export von Elektroabfällen in Entwicklungsländer. Die Behörden kämpfen gegen den Handel, nicht nur aus edlen Motiven: Wichtige Rohstoffe gehen sonst verloren. von Frauke Ladleif, Hamburg
Regen peitscht auf die roten Container im Hamburger Hafen. Davor tummeln sich neun Afrikaner um ihren Chef Ebo Akufu (Name von der Redaktion geändert). Der knackt den Riegel vor der Tür auf, zum Vorschein kommen gebrauchte Kühlschränke, bis an die Decke gestapelt. 50 sollen es sein laut Zoll, dazu 150 alte Fernseher. Akufu will sie in die ghanaische Hafenstadt Kumasi verschiffen. Heute aber nicht mehr: Wasserschutzpolizist Jan Haß kommt zur Kontrolle. Er vermutet, dass die Geräte nicht mehr funktionieren. "Der Export wäre illegal", sagt er. Elektroschrott darf nicht in Staaten außerhalb der EU ausgeführt werden.
Monitore werden mit dem Hammer zerkleinert (Archiv)
Regelmäßig kommen Schreckensmeldungen aus Entwicklungsländern, wo der Schrott aus Europa Mensch und Umwelt vergiftet. Erst vor ein paar Wochen berichtete die Uno von Kindern in Ghana, die auf Schrotthalden mit bloßen Händen Fernseher und Computer ausweiden, einschmelzen und sich dabei vergiften. Die Kinder kommen so an wertvolle Metalle wie Gold, Silber und Kupfer heran, die sie für ein paar Dollar verkaufen.
Solche Berichte haben die EU aufgeschreckt - nicht nur aus edlen Motiven. Der Schrott soll als Rohstoffquelle in Europa bleiben. Der belgische Konzern Umicore beispielsweise holt aus einer Tonne Elektroschrott bis zu 50-mal so viel Gold wie aus einer Tonne Minengestein. Die Uno schätzt die weltweite Menge an E-Schrott auf 50 Millionen Tonnen pro Jahr. Allein in Deutschland waren es rund 700.000 Tonnen 2010. Davon werden 155.000 Tonnen jährlich illegal in Länder wie Ghana verschifft, so das Forschungsinstitut Ökopol, größtenteils vom Hamburger Hafen aus. Deswegen werden Container wie der von Akufu argwöhnisch beäugt.
Kinder suchen nach brauchbaren Teilen im PC-Schrott (Archiv)
Der Ghanaer beteuert, die Fernseher seien geprüft, die Kühlschränke frei von gefährlichem FCKW. Ist das der Fall, müssen die Umweltbehörden solche Exporte genehmigen. Doch häufig werden kaputte Geräte unter die noch funktionierenden gemischt.
Deswegen müssen Akufu und seine Leute Stück für Stück den Container ausräumen. Jeder Millimeter wird genutzt, selbst die Kühlschränke sind randvoll mit Videorekordern und Stereoanlagen. Wasserschutzpolizist Haß kennt das Bild. Er weiß: Die kaputten Geräte stehen oft ganz hinten im Container. Nun sammeln sich Kühlschränke und Fernseher davor, vom Regen durchnässt. Akufu versteht die Kontrolle nicht. 20 Container verschifft er im Monat. Seine Kunden kauften nur das, was hier nicht mehr gebraucht werde. "In Afrika laufen die Fernseher noch fünf bis zehn Jahre", sagt er.
Haß bezweifelt das. "Das sind alte Röhrenfernseher. Die überstehen den Export nicht und landen nach einer Woche auf der Deponie." Aber Akufu ist wohl nur das kleinste Glied in der Kette. "Das Problem liegt bei uns."
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