FTD.de » Unternehmen » Handel+Dienstleister » Kreuzfahrtreeder im Schnäppchenfieber

Merken   Drucken   14.09.2010, 13:00 Schriftgröße: AAA

Schiffsreisen: Kreuzfahrtreeder im Schnäppchenfieber

Die Angst vor Rivalen aus Asien hat einen Preiskampf zwischen den Bauern von Kreuzfahrtschiffen ausgelöst. Die asiatischen Werften drängen in den Spezialschiffbau - zur Not unter Verzicht auf Gewinn. von Kathrin Werner  Hamburg
"Die Werften senken ihre Preise immer weiter und versuchen, immer bessere Schiffe anzubieten", sagte Pier Luigi Foschi im FTD-Interview. Der Chef der italienischen Kreuzfahrtreederei Costa Crociere, zu der auch die deutsche Tochter Aida gehört, will in den nächsten Monaten einen Auftrag für ein neues Kreuzfahrtschiff vergeben und holt derzeit Angebote ein - unter anderem von der Meyer Werft in Papenburg.
Pier Luigi Foschi   Pier Luigi Foschi
"Wir haben zwar noch keine Präferenz, bei welcher Werft wir bestellen, aber es wird nicht in Asien sein", sagte der 63-Jährige. "Die Asiaten sind noch nicht so weit." Allerdings erwarte die gesamte Branche, dass koreanische und chinesische Schiffbauer bald auch Kreuzfahrtdampfer bauen - und das wesentlich günstiger als die vier europäischen Hersteller, die den Markt bislang unter sich aufteilen. Um den Asiaten zuvorzukommen, böten die Europäer schon jetzt ihre Schiffe günstiger an. "Über Preise spreche ich nicht", sagte Foschi. "Nur so viel: Es ist eine sehr, sehr günstige Zeit, um ein Schiff zu kaufen." Es habe sich ein gnadenloser Preiskampf entwickelt, die Preise sänken im zweistelligen Prozentbereich, sagte auch Bernard Meyer , Chef der Meyer Werft und des europäischen Branchenverbands Cesa, vor Kurzem.
Das Kreuzfahrtschiff Aidaluna der Papenburger Meyer Werft   Das Kreuzfahrtschiff Aidaluna der Papenburger Meyer Werft
Die Kreuzfahrtreeder profitieren damit von der Krise im Schiffbau. Die großen Werften in China, Südkorea und Japan haben sich lange nur für Containerschiffe und andere Massenprodukte interessiert, nun gehen ihnen die Aufträge aus. Deshalb drängen sie in den Spezialschiffbau. Mitsubishi hat bereits zwei Kreuzfahrtschiffe abgeliefert - sich danach aber aus dem Geschäft zurückgezogen. Laut Branchenkreisen haben die Japaner mit den Schiffen Verlust gemacht. Es gilt als äußerst teuer, eine Produktion für Kreuzfahrtschiffe aufzubauen.
"Es stimmt schon, die Großkonzerne aus Korea interessieren sich mehr und mehr für den Kreuzfahrtschiffbau", sagte Foschi, der auch Vorstand des weltgrößten Kreuzfahrtkonzerns Carnival ist - der Costa-Crociere-Mutter. "Allerdings ist das Geschäft so komplex, man braucht so viele Ingenieure und so viel Startkapital, dass die Koreaner vielleicht darauf hoffen, dass der Markt für Container- oder Massengutfrachter wieder anzieht, und auf die Kreuzfahrer verzichten."
Die größte Gefahr für die europäischen Schiffbauer sieht Foschi in China: "Die Chinesen werden nicht über Nacht in den Markt einsteigen, aber ich mache mir Sorgen." Der chinesische Staat entdecke gerade den Tourismus. "Ich halte es für wahrscheinlich, dass der Staat demnächst eine Kreuzfahrtreederei gründet. Ihre Schiffe würden auch auf einer staatlichen chinesischen Werft gebaut." Pekings Konkurrenz für seine Reederei, die zwei Schiffe in China betreibt, bereite ihm keine Sorge, schließlich gebe es "Millionen und Abermillionen mögliche Kunden".
In nächster Zukunft wachse aber das Geschäft in Europa am stärksten. Rund drei Prozent aller US-Amerikaner buchten regelmäßig Kreuzfahrten, aber nur 1,5 Prozent der Europäer. "Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht die gleiche Rate erreichen." Besonders großes Wachstum erwartet Foschi in Deutschland: Für die nächsten drei Jahre jeweils rund zehn Prozent. "Wir brauchen mehr Schiffe."
In ihrem wichtigsten Markt, den Vereinigten Staaten, haben sich die Kreuzfahrtreeder zuletzt eine Rabattschlacht geliefert, um die Touristen trotz der Wirtschaftskrise auf die Schiffe zu locken. Entsprechend fiel der Carnival-Umsatz 2009 von 14,6 auf 13,2 Mrd. Dollar, der Gewinn von 2,3 auf 1,8 Mrd. Dollar. "Die Preise sind zwar wieder etwas besser, aber weltweit noch nicht wieder auf Vorkrisenniveau", sagte Foschi. Allerdings rechnet er mit einem baldigen Aufschwung: "Alle Zeichen kündigen an, dass nächstes Jahr die Preise steigen." Es handele sich aber nur um einen Anstieg im unteren einstelligen Prozentbereich. "Für die Gäste spielen zwei bis drei Prozent mehr gar keine Rolle, für uns schon."
  • FTD.de, 14.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Verkauf von Makro: Neuanfang für Metro

    "Zum Handeln geschaffen" lautet Metros Motto. Der neue Konzernchef Olaf Koch scheint den Slogan wörtlich zu nehmen. Mit dem ersten großen Verkauf einer Tochter bricht er den Stillstand bei Metro auf. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Von BASF bis ThyssenKrupp Das deutsche Chefwechseljahr

Bilderserie

  30.05. Wirtschaft Facebook-Aktie bis zu zehn Prozent im Minus
Wirtschaft: Facebook-Aktie bis zu zehn Prozent im Minus (00:00:35)

Damit lag die Aktie deutlich unter dem Ausgangskurs von 38 Dollar am 18. Mai. mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6280,8  [-116.04 -1,81%
  Dow Jones 12419,86  [-160.83 -1,28%
  Nasdaq Composite 2837,36  [-33.63 -1,17%
  Euro Stoxx 50 2116,18  [-44.13 -2,04%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote