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Merken   Drucken   11.08.2011, 13:58 Schriftgröße: AAA

Schock und Chance: Atomkonzerne brauchen Radikalkur

Kommentar Wenn es noch Zweifel über die Verlierer der Energiewende gab, herrscht nun Klarheit. Die Ergebnisse der Atombetreiber sind desaströs. Die Konzerne müssen drastisch umdenken. von Michael Gassmann 
Drei der vier Unternehmen schreiben rote Zahlen. Allein RWE  hat sich über der Nulllinie gehalten, doch sind bei dem Essener Konzern die Schulden um 3 Mrd. Euro gestiegen - ein Wechsel auf die Zukunft. Die einst stolze, ja als arrogant verschriene Branche ist zum Sanierungsfall verkommen. Eon kündigt den Abbau von bis zu 11.000 Arbeitsplätzen an, notfalls auch mithilfe von Entlassungen. Das wäre vor wenigen Monaten völlig undenkbar gewesen.
Kursinformationen und Charts
  RWE 29,485 EUR  [-0.265 -0,89%
  GDF Suez 16,01 EUR  [-0.195 -1,20%
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So tief der Schock verständlicherweise bei den Beschäftigten jetzt sitzt, die um ihre Jobs bangen: Es könnte ein heilsamer Schock in den Unternehmen werden - wenn die Konzernführungen wirklich umdenken. "Wir akzeptieren den Primat der Politik", betonen die Vorstandschefs der Atomkonzerne unisono seit Monaten. Das ist bare Selbstverständlichkeit. Dass die Gesetze einer demokratisch gewählten Regierung zu befolgen sind, muss eigentlich nur der ständig betonen, der den Nachsatz mitdenkt: "... aber eigentlich macht ihr da ziemlichen Quatsch in Berlin".
Die Unternehmen müssen es schaffen, sich von ihren Vorbehalten zu lösen. Nur so können sie das - aus ihrer betriebswirtschaftlichen Sicht - Debakel des Atomausstiegs ummünzen in eine Chance, die sie zugleich aus ihrer energiepolitischen Buhmannrolle befreit. Die politisch definierten Ziele der Energiewende sind sowieso extrem anspruchsvoll. Ohne das Know-how und die Kapitalkraft der großen Energiekonzerne sind sie kaum zu schaffen. Wer glaubt, dass ein Industriegigant wie Deutschland die benötigten Strommengen zuverlässig wie eh und je ausschließlich über genossenschaftliche und kommunale Unternehmen bereitstellen kann, unterschätzt die Komplexität der Systeme und die Kosten ihres Umbaus.
In einer Energiewelt, in der die Erneuerbaren mehr und mehr die Hauptrolle übernehmen, müssen vielmehr alle Möglichkeiten genutzt werden, um die Stromversorgung zu sichern: milliardenteure Offshore-Windparks ebenso wie Miniquirle auf der Wiese, Bürger-Windparks nicht weniger als Pumpspeicheranlagen oder das Wüstenprojekt Desertec. Für die größeren Anlagen sind und bleiben die Konzerne prädestiniert.
Um diese Möglichkeiten zu nutzen, muss sich die Unternehmenskultur der Energiekonzerne ändern. Die Mitarbeiter müssen akzeptieren, dass die Deutschen definitiv aus der Kernkraft aussteigen wollen. Ihre Kunden sind in der Mehrzahl eben nicht bereit, für billigen Strom Risiken wie in Fukushima oder Tschernobyl in Kauf zu nehmen. Das Thema ist ausdiskutiert. Sie müssen zweitens verstehen, dass auch die Zeit der großen, zentralen Kohlekraftwerke allmählich zu Ende geht. Das bedeutet drittens, dass ein neues Geschäftsmodell hermuss.

Teil 2: Die große Malaise

  • Aus der FTD vom 11.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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