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Merken   Drucken   20.07.2009, 13:23 Schriftgröße: AAA

Schuldscheinumtausch: Rettungsanker für pleitebedrohte Firmen  

Einer bedrohlich wachsenden Zahl von Firmen geht das Geld aus. Wer kein neues auftreibt, dem droht die Pleite. Die Wege aus diesem Dilemma sind begrenzt. FTD.de erklärt sie in einer Serie. von Mareike Schulz (Frankfurt)
Tausche alte Schuldscheine gegen neue. Eine Art Umtauschgeschäft soll in der Krise zum Rettungsanker für insolvenzgefährdete Firmen werden: der Debt-for-Debt-Exchange.
So etwa ist es beim stark angeschlagenen Modekonzern Escada. Zwar ist der Umtausch der Anleihen für das Münchner Unternehmen nur einer von mehreren Rettungswegen, dafür aber der entscheidende. Denn schon jetzt ist klar: Spielen die Bondinvestoren der 200 Mio. Euro schweren Anleihe nicht mit, sieht es düster aus für den Modekonzern. Bislang konnte das Unternehmen erst einen Teil seiner Anleger von seinem finanziellen Notplan überzeugen. Sollten bis Ende Juli nicht 80 Prozent der Gläubiger zugestimmt haben, muss Escada  im August Insolvenz beantragen.
Eben diese Drohkulisse des Totalverlusts könnte es sein, die Investoren zum Einlenken zwingt. Denn grundsätzlich steht es ihnen frei, ob sie den Umtausch annehmen oder ihre alten Anleihen behalten. "Je näher ein Unternehmen aber an der Schwelle zur Insolvenz steht, desto mehr Investoren tendieren dazu, das Angebot anzunehmen", sagt Colin Chang, Partner der internationalen Anwaltssozietät White & Case in London. Wegen der Krise handeln die Papiere vieler Unternehmen deutlich unterhalb des Nennwerts und lassen sich - wenn überhaupt - nur schwer über den Markt verkaufen.
Lassen sich die Anleihegläubiger auf den Handel ein, bekommen sie die Chance, zu einem späteren Zeitpunkt zumindest den niedrigeren Wert der umgetauschten Anleihe zurückzuerhalten. Trotzdem zögern viele. "Entscheidend ist, dass ein Unternehmen den Appetit der Investoren anregt", sagt Rechtsanwalt Rüdiger Malaun, Partner bei Latham & Watkins, der Unternehmen bei der Restrukturierung berät. Oft bieten die Unternehmen den Gläubigern mehr Sicherheit an. So rutschen etwa die neuen Bonds in der Rangfolge weiter nach vorn. Bei einer Insolvenz entscheidet die Rangfolge darüber, welche Gläubiger wie viel Geld zurückbekommen. Zudem locken manche Unternehmen mit einer höheren Verzinsung auf den neuen Bond.
In der aktuellen Krise haben die Restrukturierungsnöte der Unternehmen zugenommen - und mit ihnen die Debt-for-Debt-Exchanges. "Diese neue Generation des Anleiheumtauschs entsteht stärker durch den Zwang zur Restrukturierung", sagt Chris Taggert, Analyst der unabhängigen Researchfirma Creditsights.
Vor allem in Ländern wie den USA und Großbritannien wird dieses Instrument vermehrt genutzt. Aber auch im restlichen Europa nehmen die Beispiele zu. "Wir arbeiten an einer Handvoll Projekten", sagt ein Insider, der nicht genannt werden möchte.
  • Aus der FTD vom 20.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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