Eines der teuersten Onlineprojekte der Ära Web 2.0 hat nach einem schleichenden Niedergang einen neuen Eigner gefunden. Holtzbrinck Digital verkauft die VZ-Netzwerke mit den Portalen StudiVZ, MeinVZ und SchülerVZ an die bislang unbekannte private Investmentbank Vert Capital Corp. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Parteien Stillschweigen. Wer sich hinter dem Investor verbirgt, ist nicht bekannt. Nach FTD-Informationen soll es eine Investorengruppe um das ebenfalls ins Hintertreffen geratene Onlinenetzwerk Bebo sein. Bei Bebo war bis Redaktionsschluss niemand zu erreichen.
Der Verkauf markiert das Ende eines verlorenen Wettbewerbs mit dem weltweit größten Onlinenetzwerk Facebook . Bevor das US-Unternehmen 2008 nach Deutschland expandierte, war das deutsche Pendant das größte Netzwerk. Während Facebook stetig Kundschaft dazugewann und hierzulande mittlerweile mehr als 24 Millionen Nutzer zählt, zeigte der Trend der VZ-Netzwerke nach unten. Zuletzt waren dort nur etwas mehr als 2,5 Millionen Mitglieder aktiv.
Massiver Wertverlust
StudiVZ wurde 2005 von Ehssan Dariani nach dem Vorbild von Facebook gegründet. Zwei Jahre später kaufte Stefan von Holtzbrinck für die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ("Die Zeit") Deutschlands größtes Studentennetzwerk für geschätzte 85 Mio. Euro . Holtzbrinck war damals nicht der Einzige, der für viel Geld auf das Potenzial von Onlinenetzwerken setzte: Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp. übernahm 2005 gar für 580 Mio. Dollar das Musiknetzwerk Myspace, AOL kaufte für 850 Mio. Dollar Bebo.
Keines dieser Netzwerke konnte dem Siegeszug von Facebook standhalten, sie wechselten schließlich jeweils nur für den Bruchteil des Kaufpreises den Besitzer. Myspace ging für 35 Mio. Dollar an den Onlinewerbespezialisten Specific Media, Bebo für gerade einmal 10 Mio. Dollar an Criterion Capital Partners. Letztere suchten allerdings sechs Monate nach dem Kauf erneut neue Anteilseigner und beteiligten unter anderem die früheren Gründer des Netzwerks. Im April berichtete das Blog Paidcontent über Betrugsvorwürfe der Gründer gegen Criterion Capital Partners. Über den weiteren Verlauf des Rechtsstreits ist bislang nichts bekannt.
Verkauf zuvor gescheitert
Bebo suche über den Kauf der VZ-Netzwerke den Einstieg in den deutschen Markt, hieß es in Branchenkreisen. "Die Jugendlichkeit der VZ-Netzwerke in Kombination mit einer nach wie vor breiten Nutzerbasis und einer etablierten Marktposition in Deutschland sind ausschlaggebend für die heutige Akquisition, die ausgezeichnet zu unseren Investitionsschwerpunkten passt", teilte ein Unternehmenssprecher von Vert Capital mit. Für die Neuausrichtung der VZ-Netzwerke habe man bereits erste Ideen: Man sei zuversichtlich, hier erfolgreich zu sein.
Holtzbrinck Digital hatte bereits mehrfach versucht, die VZ-Netzwerke zu verkaufen. So sollte beispielsweise die Investmentbank Goldman Sachs im vergangenen Jahr kurzfristig einen Investor finden. Mangels Interesse musste Stefan von Holtzbrinck den Versuch dann allerdings abbrechen. Später gliederte der Medienunternehmer die Netzwerke in eine neue Firma namens Poolworks aus. Nun kann Holtzbrinck einen Schlussstrich unter eine Fehlinvestition ziehen.