Es ist vielleicht eine etwas zu naive Übertragung, wenn man davon ausgeht, dass Fluggesellschaften in der Regel schon wissen, wo die Reise hingeht. Aber zumindest hegt man doch die Hoffnung, dass Unternehmen, die täglich viele Tausend Menschen von A nach B bringen, auch etwas über die unternehmerische Reiseroute sagen können. Bei der Lufthansa wird man in dieser Hinsicht zurzeit leider enttäuscht. Mehr als "Wir müssen Kosten reduzieren" ist als Strategieansage im Moment nicht drin. Das ist aber sowohl für die Beschäftigten als auch für die Aktionäre auf Dauer zu wenig.
Übergangsweise mag diese sehr monothematische Ausrichtung der Lufthansa-Führung Sinn haben: Konzernchef Christoph Franz will die Kranich-Airline mit einem tiefgreifenden Restrukturierungsprogramm wieder vom Kopf auf die Füße stellen. Das ist auch nötig. Im vergangenen Jahr hat die Fluggesellschaft bei einem Umsatz von 29 Mrd. Euro einen Nettoverlust von 13 Mio. Euro erwirtschaftet. Im Vergleich zur europäischen Konkurrenz steht die Lufthansa damit gar nicht mal so schlecht da.
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Trotzdem lähmen die Erblasten aus den Zeiten von Franz-Vorgänger Wolfgang Mayrhuber die Lufthansa immer noch. Da ist vor allem die defizitäre Tochter Austrian Airlines, für die sich endlich eine Lösung abzeichnet. Aber auch die anderen Beteiligungen, mit denen sich der Konzern in der Vergangenheit verlustbringend verzettelt hat, haben Energien gebunden: Brussels zum Beispiel, Jade Cargo oder die inzwischen verkaufte British Midland.
Verfehlte Einkäufe der Vergangenheit sind jedoch nicht das Hauptproblem des Konzerns. Der muss endlich eine Antwort finden auf die zweifache Herausforderung, der er sich seit einigen Jahren gegenübersieht: Auf der einen Seite wird das Europageschäft von der Billigfliegerkonkurrenz geschröpft, auf der anderen Seite gewinnen die Fluggesellschaften aus der Golfregion zunehmend auf den lukrativen Langstrecken.
Sparen allein ist da keine Antwort. Was man wiederum am Beispiel Austrian Airlines gut verdeutlichen kann, wo vor lauter Fokussierung auf das Sparziel manch wichtige Frage unbeantwortet bleibt, zum Beispiel: Soll sich die Tochter auf Osteuropa konzentrieren - oder darf's doch etwas mehr sein? Und ähnlich wichtige Fragen gibt es viele auf den Großbaustellen der Lufthansa: Was wird denn nun mit Germanwings - stärker integrieren und doch die Marke erhalten? Wie geht's weiter mit der Cateringtochter LSG Sky Chefs? Und wie viel Luftdrehkreuze braucht der Konzern wirklich?
Es ist ein Strategievakuum, das sich in der Kommunikation mit zunehmend genervten Mitarbeitern negativ auswirkt. Auch sparen nämlich fällt leichter, wenn man weiß, wo die Reise hingeht.
... wird das Lufthansa-Unwort des Jahres 2012!