FTD.de » Unternehmen » Handel+Dienstleister » Billiger nach Irgendwo
Merken   Drucken   26.04.2012, 21:09 Schriftgröße: AAA

Sparkurs bei der Lufthansa: Billiger nach Irgendwo

Leitartikel Die Lufthansa gibt ein eher monothematisches Ziel vor: Es muss gespart werden. Doch wo genau, das scheint noch nicht ganz klar zu sein. Die Airline plagt ein Strategievakuum.

Es ist vielleicht eine etwas zu naive Übertragung, wenn man davon ausgeht, dass Fluggesellschaften in der Regel schon wissen, wo die Reise hingeht. Aber zumindest hegt man doch die Hoffnung, dass Unternehmen, die täglich viele Tausend Menschen von A nach B bringen, auch etwas über die unternehmerische Reiseroute sagen können. Bei der Lufthansa  wird man in dieser Hinsicht zurzeit leider enttäuscht. Mehr als "Wir müssen Kosten reduzieren" ist als Strategieansage im Moment nicht drin. Das ist aber sowohl für die Beschäftigten als auch für die Aktionäre auf Dauer zu wenig.

Übergangsweise mag diese sehr monothematische Ausrichtung der Lufthansa-Führung Sinn haben: Konzernchef Christoph Franz will die Kranich-Airline mit einem tiefgreifenden Restrukturierungsprogramm wieder vom Kopf auf die Füße stellen. Das ist auch nötig. Im vergangenen Jahr hat die Fluggesellschaft bei einem Umsatz von 29 Mrd. Euro einen Nettoverlust von 13 Mio. Euro erwirtschaftet. Im Vergleich zur europäischen Konkurrenz steht die Lufthansa damit gar nicht mal so schlecht da.

Trotzdem lähmen die Erblasten aus den Zeiten von Franz-Vorgänger Wolfgang Mayrhuber die Lufthansa immer noch. Da ist vor allem die defizitäre Tochter Austrian Airlines, für die sich endlich eine Lösung abzeichnet. Aber auch die anderen Beteiligungen, mit denen sich der Konzern in der Vergangenheit verlustbringend verzettelt hat, haben Energien gebunden: Brussels zum Beispiel, Jade Cargo oder die inzwischen verkaufte British Midland.

Verfehlte Einkäufe der Vergangenheit sind jedoch nicht das Hauptproblem des Konzerns. Der muss endlich eine Antwort finden auf die zweifache Herausforderung, der er sich seit einigen Jahren gegenübersieht: Auf der einen Seite wird das Europageschäft von der Billigfliegerkonkurrenz geschröpft, auf der anderen Seite gewinnen die Fluggesellschaften aus der Golfregion zunehmend auf den lukrativen Langstrecken.

Sparen allein ist da keine Antwort. Was man wiederum am Beispiel Austrian Airlines gut verdeutlichen kann, wo vor lauter Fokussierung auf das Sparziel manch wichtige Frage unbeantwortet bleibt, zum Beispiel: Soll sich die Tochter auf Osteuropa konzentrieren - oder darf's doch etwas mehr sein? Und ähnlich wichtige Fragen gibt es viele auf den Großbaustellen der Lufthansa: Was wird denn nun mit Germanwings - stärker integrieren und doch die Marke erhalten? Wie geht's weiter mit der Cateringtochter LSG Sky Chefs? Und wie viel Luftdrehkreuze braucht der Konzern wirklich?

Es ist ein Strategievakuum, das sich in der Kommunikation mit zunehmend genervten Mitarbeitern negativ auswirkt. Auch sparen nämlich fällt leichter, wenn man weiß, wo die Reise hingeht.

  • Aus der FTD vom 27.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
  • 27.04.2012 12:37:27 Uhr   Andreas Vogt: "Strategievakuum"

    ... wird das Lufthansa-Unwort des Jahres 2012!

Kommentar schreiben Pflichtfelder*






Firmenporträt & ManagementDie Unternehmenslenker: Wer sitzt bei der Lufthansa im Aufsichtsrat und wer im Vorstand? mehr

KennzahlenDividende, Eigenkapitalquote oder Umsatzrendite: Die wichtigsten Kennzahlen zur Lufthansa auf einen Blick. mehr

BilanzDas Geschäftsjahr in Zahlen: Ein Überblick über die Gewinn- und Verlustrechnungen bei der Lufthansa. mehr

  • Bislang hat Richard Branson die Partnersuche für seine Fluglinie Virgin Atlantic eher nachlässig betrieben. Die Einstiegsgelüste von Delta sollten ihm daher gelegen kommen. Zumal es um seine Airline nicht zum Besten steht. mehr

  •  
  • blättern
 
Wo Flugzeuge aufs Ende warten

Im Westen der USA herrschen ideale Bedingungen, um überzählige Verkehrsflugzeuge und Kampfjets aufzubewahren - für viele ist die Zukunft ungewiss. Das Internet erlaubt den Blick auf riesige Parkplätze. mehr

Nachrichten zum Thema Luftfahrt
  • Zwölf Jahre nach der Gründung gibt es eine grundlegend neue Machtverteilung bei Europas größtem Luftfahrtkonzern. Der Anteil des Streubesitzes soll auf mehr als 70 Prozent steigen. Mit den französischen Sonderrechten ist Schluss. Die Einigung ist ein Punktsieg für EADS-Chef Thomas Enders. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler