Christoph Franz verschärft die Gangart. Er lässt nach FTD-Informationen alle internen Prozesse und Strukturen analysieren - und verstärkt den Zugriff auf Töchter. Die Gewerkschaften vereinen sich zur Gegenwehr.
von Jennifer LachmanHamburg
Pünktlich zu seinem ersten Jubiläum an der Lufthansa-Spitze verschärft Christoph Franz die Gangart. Das neue, 1,5 Mrd. Euro schwere Sparprogramm, das der 51-Jährige bis Ende März vorstellen will, geht nach FTD-Informationen weit über Justierungen an kleinen Stellschrauben hinaus. Vielmehr analysiert Franz bei Europas größter Fluglinie alle internen Strukturen und Prozesse. So lässt er beispielsweise prüfen, ob der Konzern bei seinen diversen Töchtern mehrere IT-, Personal- und Controllingabteilungen braucht - oder ob diese nicht zusammengelegt werden können. Er will den Zugriff auf die Gesellschaften verstärken, die sein Vorgänger Wolfgang Mayrhuber recht eigenständig agieren ließ.
Franz provoziert mit dem Projekt, das auf mindestens zwei Jahre angesetzt ist, weiteren Widerstand seiner insgesamt 120.000 Mitarbeiter. Schon jetzt üben einige von ihnen den Schulterschluss: Am Mittwoch kündigte die Spartengewerkschaft der Flugbegleiter, Ufo, an, sich mit Verdi zusammenschließen zu wollen. Aus Protest gegen den Sparkurs wollen die beiden Gewerkschaften - die eigentlich miteinander konkurrieren - in der anstehenden Vergütungsrunde im Januar eine Tarifgemeinschaft bilden. "Wir wollen, dass die klassische Lufthansa erhalten bleibt, und Lohndumping verhindern", sagte ein Ufo-Sprecher. Die Gewerkschaft sei offen, auch künftig enger zusammenzuarbeiten.
Franz will die Effizienz des Ex-Monopolisten steigern und ihn zum profitabelsten Anbieter Europas schleifen. Hierbei zeigt sich der frühere Chef der Lufthansa-Tochter Swiss erfinderisch - und bricht auch mit Tabus: Um sich in Berlin gegen billigere Wettbewerber wie Air Berlin oder Easyjet behaupten zu können, will er künftig anstatt eigener Flugbegleiter externe Leiharbeiter mit befristeten Verträgen in die Kabine schicken. Auch dagegen wehren sich Ufo und Verdi. In Stuttgart wiederum probt der Lufthansa-Chef die engere Einbindung der Billigtochter Germanwings: Künftig soll die Fluglinie für den Konzern von dort alle europäischen Ziele anfliegen. Unter Mayrhuber wäre eine solch enge Verzahnung nicht denkbar gewesen.
Operatives Ergebnis der Lufthansa in Mrd. € (2006-2010)
Franz will mit solchen Pilotprojekten herausfinden, wie er die hohen Verluste im hart umkämpften Europa-Verkehr mindestens eindämmen kann. Mayrhuber hatte die Konkurrenz lange Zeit unterschätzt. Heute verliert der Marktführer Insidern zufolge auf den Strecken abseits der Drehkreuze Frankfurt und München jährlich einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag.
Parallel zu den operativen Reformen sollen nun also auch die Verwaltung und die sogenannten Shared Services gestrafft werden. Ziel ist, dass die Lufthansa auch langfristig Dividenden zahlen kann. Zudem hatte der Vorstand erst im März für einen Listenpreis von 4 Mrd. Dollar neue Flugzeuge bestellt. Für Franz' langfristiges Renditeziel von acht Prozent reiche das Programm aber nicht, hieß es intern. Diese Marge gilt als ambitioniert. In den ersten neun Monaten verdiente die Lufthansa eine operative Rendite von 2,6 Prozent. Für 2011 hat Franz einen Gewinn im "oberen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich" in Aussicht gestellt. Projektleiter für das noch namenlose Sparprogramm ist Josef Bogdanski, der schon die umstrittene Berlin-Strategie entwickelt hatte. Unterstützt wird er von der Boston Consulting Group.
Eine Lufthansa-Sprecherin wollte sich nicht näher äußern: "Die Details sind derzeit in der Ausarbeitung."
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