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Merken   Drucken   22.08.2012, 06:38 Schriftgröße: AAA

Stadtmarketing auf Abwegen: Wie der Hamburger Blue Port sein blaues Wunder erlebte

Sieben Tage lang erstrahlte der Hamburger Hafen in blauem Neonlicht: eine Kunstaktion anlässlich der Hamburg Cruise Days. Die größte Aufmerksamkeit erheischte jedoch nicht der Lichtkünstler Michael Batz - sondern ein Unbekannter, der für ein PR-Desaster im Internet sorgte.
© Bild: 2012 action press/OHDE CHRISTIAN
Sieben Tage lang erstrahlte der Hamburger Hafen in blauem Neonlicht: eine Kunstaktion anlässlich der Hamburg Cruise Days. Die größte Aufmerksamkeit erheischte jedoch nicht der Lichtkünstler Michael Batz - sondern ein Unbekannter, der für ein PR-Desaster im Internet sorgte.
von Hamburg

Ja, gibt Torralf Köhler freimütig zu, die Aktion habe ihn und seine Kollegen bei Hamburg.de "komplett überrascht". Sieben Tage lang war es für die Hansestadt so richtig gut gelaufen. Erst hatte der Künstler Michael Batz den Hafen mithilfe von Leuchtröhren in ein stimmungsvolles blaues Licht getaucht. Am Wochenende dann lockte die Kulisse nicht nur Kreuzfahrtschiffe wie die "Queen Mary 2", sondern auch 570.000 Besucher an. Ein Riesenerfolg - den das offizielle Stadtportal krönen wollte: "Schicken Sie uns die schönsten Motive!", warb die Redaktion - und erhielt gut 500 Fotos.

95 Prozent davon sind unverdächtig, zeigen Schiffe, Wasser oder das Feuerwerk. Sie waren jedoch chancenlos, denn auf Platz eins bis fünf rangierten in dem Onlinewettbewerb mit Abstand Fotos, die alle einen uncharmanten Gruß als Motiv zeigen: "Fuck u!" - geformt aus blauen Leuchtstäben, wie Batz sie verwendet, angebracht an einer Brücke in Hafennähe. Eine Protestaktion von Unbekannten. Jetzt: tausendfach "geliket".

Die Macht von Facebook, Twitter & Co. Die größten PR-Flops im Internet

Nicht alle waren nämlich von dem Hafenfest angetan. Einige Anwohner kritisierten es als zu laut und übertrieben. Umweltschützer erinnerten an die Abgase der Riesenschiffe. Andere schlossen sich online aus Jux an.

Die Aktion weckt Erinnerungen: Als Henkel  nach einem neuen Schriftzug für die Spülmittelmarke Pril suchte, stimmten die Nutzer für "Schmeckt lecker nach Hähnchen!". Bei einem Modelwettbewerb von Otto setzte sich ein 22-Jähriger durch, dilettantisch als Frau verkleidet.

Die Hamburger nehmen es sportlich. Am Dienstagnachmittag endete die Abstimmung. Angesichts der vielen Stimmen für das "Fuck u!"-Motiv entschieden die Organisatoren: Anders als geplant gibt es einen technischen Sieger - das Bild mit den meisten Stimmen. "Sieger der Herzen" wird das Motiv, das von den harmlosen am beliebtesten war. Der Preis: ein Großabzug, mit Widmung des Lichtkünstlers Batz. Ursprünglich sollte das Siegerfoto auch noch eine Woche lang die Facebook-Seite von Hamburg.de schmücken. Das, so Sprecher Köhler, sei nun vorbehalten: "dem zweiten ersten Sieger".

  • Aus der FTD vom 22.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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