Deutscher Einzelhandelsumsatz
Die deutschen Einzelhändler nahmen mehr ein als vor einem Jahr, leiden aber weiter unter der hohen Arbeitslosigkeit und Konsumschwäche. Das Statistische Bundesamt erklärte am Freitag, die Umsätze der Branche hätten im Februar um ein Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. Von Januar auf Februar gab es den Statistikern zufolge keine nennenswerte Umsatzsteigerung. Weil Analysten hier ein Minus erwartet hatten, zeigten sie sich positiv überrascht.
Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) warnte allerdings, die Daten seien wegen Änderungen an der Statistik nicht sehr zuverlässig. So seien die Fachgeschäfte nicht berücksichtigt, denen es nicht gut gehe, sagte ein Verbandssprecher. Im März könnten die Umsätze aber wegen Ostern besser ausfallen. Wegen der Methodenänderung nannte das Amt keine genauen Zahlen und auch keine Details zu den Sparten. Das vorläufige Ergebnis für den Februar basiere nur auf großen Filialketten.
"Keine große Sprünge"
Volkswirt Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein vermutete, dass die Steuersenkung zu Jahresanfang einige Konsumenten doch zum Geldausgeben animiert haben könnte - trotz der insgesamt schlechten Stimmung: "Eine Null zum Vormonat ist positiv, da wir im Januar einen Anstieg um zwei Prozent hatten."
Dennoch könnten die Einzelhändler wegen der hohen Arbeitslosigkeit keine großen Sprünge erwarten. Das Problem bleibe der Arbeitsmarkt, der auch in den kommenden Monaten auf dem Konsumentenvertrauen lasten werde: "Es bleibt wackelig." Auch die jüngste Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hatte gezeigt, dass sich die Menschen wieder mehr Sorgen über ihre Finanzen und die wirtschaftliche Entwicklung machen.
Unklarheit über Umsatzentwicklung
Bei den Daten für die Monate März und April wird das Statistikamt genau so verfahren wie bei den Februar-Daten. Daher dürfte bis zur Veröffentlichung der Mai-Daten im Juli viel Unklarheit über die Umsatzentwicklung im deutschen Einzelhandel herrschen. "Vielleicht müssen wir deshalb in den kommenden Monaten mehr auf Umfragen wie etwa den Ifo-Index schauen", sagte Guntermann.
Im März hatte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) bei seiner monatlichen Umfrage festgestellt, dass die Enttäuschung der Einzelhändler über die Geschäftslage zunimmt und die Händler auch pessimistischer in die Zukunft blicken.