Die Lufthansa versuchte an diesem Donnerstag den kommunikativen Befreiungsschlag. Erst ließ der Konzern in einer Pressemitteilung zu den aktuellen Quartalszahlen zusätzlich verbreiten, was eigentlich schon längst bekannt war - aber bisher nicht vom Management bestätigt wurde. Dann schaltete sich sogar Vorstandschef Christoph Franz persönlich ein - ein Novum bei der Präsentation der Lufthansa-Quartalszahlen.
Franz wurde endlich konkret: Personalkosten sollen gesenkt werden, wurde da Schritt für Schritt erläutert. " Aufgrund dieser Maßnahmen werden in den administrativen Bereichen in den kommenden Jahren voraussichtlich 3500 Vollzeitstellen weltweit wegfallen", sagte er.
Was das für viele deutsche Lufthansa-Mitarbeiter bedeutet, wurde wenig später in einer Telefonkonferenz mit dem Management deutlich: 2500 Jobs fallen allein hierzulande weg - beziehungsweise jeder vierte Arbeitsplatz in der Verwaltung an den deutschen Standorten. Die restlichen 1000 Jobs werden im Ausland gestrichen.
Also doch. In der Presse waren die Zahlen schon in der vergangenen Woche zu lesen - was die Lufthansa mit einem Dementi konterte, wenn auch mit einem lahmen. Ja, es gebe solche Zahlen, hieß es am vergangenen Donnerstag. Aber dabei handele sich nur um eine Vorstudie, eine erste Analyse aus dem Sommer 2011, war da beschwichtigend zu hören.
Vorstudie? Wenn das so wäre, müsste nur exakt eine Woche vergangen sein, bis eine Vorstudie zu konkreten Zahlen und Pläne reifte. Ein solch blitzartiger Entscheidungsprozess ist für ein derart komplexes Unternehmen wie die Lufthansa unwahrscheinlich. Man könnte auch auch sagen: Die offizielle Stellungnahme aus Frankfurt in der vergangenen Woche war eine Lüge.
Sicher, das Unternehmen muss sich in diesen Tagen mit vielen Meldungen und Spekulationen herumschlagen, von denen längst nicht jede stimmt. Sie alle haben eine Ursache - nämlich die, dass die Lufthansa sparen muss, um im Wettbewerb zu bestehen.
Aber einen massenhaften Stellenabbau erstmal zu verneinen, um ihn nach nur wenigen Tagen zu bestätigen, ist ein schlechter Stil, der nicht zur Lufthansa passt.
Längst ist es ein offenes Geheimnis, dass die Unzufriedenheit in der Belegschaft mit dem Management wächst. Solche Kommunikationsschnitzer dürften den Missmut befeuern. Ohnehin vollzieht sich gerade ein Wandel in der Unternehmenskultur. Denn es gab Zeiten, als die Konzernführung stolz darauf war, Krisen ohne Stellenabbau zu meistern. Heute wirft die Lufthansa Leute in schweren Zeiten raus - wie jede x-beliebige andere Fluglinie auch.
Zwar kann es sich Konzernchef Franz nicht leisten, darauf Rücksicht zu nehmen, dass Menschen Veränderungen skeptisch beurteilen oder sogar ablehnen. Es kann aber auch nicht in seinem Sinne sein, Öffentlichkeit und Mitarbeiter so zu verschrecken, dass darunter das gute Image leidet. Denn die Lufthansa lebt von ihrem guten Ruf.