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Merken   Drucken   24.09.2010, 09:00 Schriftgröße: AAA

Strategiewechsel: Ryanair entdeckt den Kundenservice

Der Billigflieger stößt an seine Wachstumsgrenzen. Konzernchef O'Leary peilt zentralere Flughäfen an und will mehr Service bieten. Dafür sollen aber auch die Ticketpreise steigen. von Jennifer Lachman  Hamburg und Titus Kroder, London
Angesichts des langsameren Wachstums im Billigsegment will sich Ryanair  neu positionieren. "Im Moment geht es nur um den Preis, den Preis, den Preis", sagte der Chef von Europas größtem Low-Cost-Anbieter, Michael O'Leary , der Agentur Bloomberg.
In Zukunft werde er aber zunehmend darauf verzichten, seine Maschinen mit verbilligten Tickets zu füllen, so der Manager. Vielmehr werde er größeren Wert auf die Leistung und den Service legen und dafür auch höhere Preise verlangen. Im Fokus stünden dann etwa die Pünktlichkeit oder eine geringe Verlustquote beim Gepäck. Auch wolle er größere und zentraler gelegene Flughäfen anfliegen: "Künftig wird es eine Bandbreite von größeren Airports geben, neben den zweitrangigen."
Michael O'Leary, Chef der Fluglinie Ryanair   Michael O'Leary, Chef der Fluglinie Ryanair
O'Learys Vorgehen ist ein Beispiel dafür, wie sich die Branche derzeit wandelt. "Die Geschäftsmodelle von Netzwerk-Carriern und Low-Cost-Anbietern bewegen sich rasend schnell aufeinander zu", sagte der Chef der Lufthansa -Billigtochter Germanwings, Thomas Winkelmann, kürzlich der FTD. Inzwischen buhlen die Anbieter, die einst sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle verfolgten, oft um die gleichen Kunden. In der Folge müssen etwa Lufthansa oder Air France-KLM  ihre Preise senken.
Fluglinien wie Germanwings oder Easyjet hingegen, die vor allem für billige Städtereisen bekannt waren, werben - vor allem seit Ausbruch der Finanzkrise - zunehmend um zahlungskräftige Kunden. Germanwings etwa vergrößert gerade in den ersten elf Sitzreihen den Sitzabstand und verkauft dafür die Tickets teurer.
Ryanair hatte sich dieser Entwicklung lange Zeit verweigert. Die Fluglinie pflegt ein krawalliges Image als Mutter aller Billigflieger. Ihre Basen hat sie bis vor Kurzem ausschließlich an Wald-und-Wiesen-Flughäfen eröffnet - etwa auf ehemaligen Militärflughäfen wie Hahn. Die Einsparungen gab sie weiter und warb zudem mitunter mit Tickets ab 1 Cent. Damit verdiente Ryanair gut: Bei 3 Mrd. Euro Umsatz belief sich im Geschäftsjahr 2009/10 (bis Ende März) der Nettogewinn auf 319 Mio. Euro. Die Fluggesellschaft war damit eine der wenigen, die zuletzt profitabel arbeiteten.

Teil 2: Für die Airports ist Ryanair ein schwieriger Kunde

  • Aus der FTD vom 24.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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