Für Flugreisende ist es eine gute Nachricht. Die in finanziellen Schwierigkeiten steckende Air Berlin erhält einen Großinvestor, das Überleben der angeschlagenen Fluggesellschaft ist damit bis auf weiteres gesichert. Der Lufthansa bleibt also auf zahlreichen Strecken die Konkurrenz aus dem eigenen Land erhalten, was sich tendenziell preisdämpfend auf die Ticketpreise auswirkt.
Tatsächlich gewinnt der Wettbewerb durch den Einstieg der arabischen Etihad Airways bei Air Berlin eine neue Qualität - und zwar nicht nur mit Blick auf Deutschland. Dem hemdsärmeligen Etihad-Chef James Hogan ist es gelungen, hineinzugrätschen in die wichtigen Märkte Deutschland und Spanien. Und damit mischt die Nationalfluglinie von Abu Dhabi zugleich automatisch in Europa mit.
Ziel von Etihad und den anderen aufstrebenden Airlines aus dem Nahen Osten ist es, insbesondere die lukrativen interkontinentalen Verkehrsströme umzuleiten zu ihren neuen gigantischen Flughäfen. Ob Abu Dhabi, Dubai oder Doha - die Golfregion will sich als internationales Großdrehkreuz der Luftfahrt etablieren, koste es, was es wolle. Allein in Dubai entsteht derzeit ein Airport, der mit 150 Millionen Passagieren eine doppelt so hohe Jahreskapazität besitzt wie London-Heathrow, immerhin die Nummer Eins in Europa.
Etihads Engagement bei Air Berlin ist also nur Mittel zum Zweck. Aus dieser Perspektive erscheint es denn auch zweitrangig, dass die arabische Fluggesellschaft bislang nicht profitabel ist. Zumal hinter Etihad ein kleiner, aber reicher Golfstaat steht. Da wirkt das Investment in die deutsche Airline, 73 Mio. Euro für die Aufstockung der Aktienbeteiligung auf gut 29 Prozent sowie rund 200 Mio. Euro für ein Darlehen, relativ überschaubar. Air Berlin jedenfalls ist deren erster europäischer Brückenkopf - was auch von Vorteil ist, wenn die Deutschen im Frühjahr Mitglied der zweitgrößten Airline-Allianz Oneworld werden.
Operativ wird Hogan künftig großen Einfluss auf Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn nehmen, schon allein über die zwei Aufsichtsratsposten, die dem Investor zustehen. Beide Firmen streben eine sehr enge Verflechtung im Alltagsgeschäft an, mit Zubringerflügen und einem abgestimmten Liniennetz oder durch gemeinsame Flugzeugkäufe. Gleichwohl wird der Restrukturierungsdruck auf Air Berlin weiter anhalten, darauf dürfte auch der Etihad-Chef mit Nachdruck achten. Mehdorn bleibt nichts anderes übrig, als das Unternehmen endlich zu fokussieren.
Für Fluggesellschaften wie Lufthansa oder Air France/KLM wird es immer schwieriger, sich dauerhaft gegen die neuen Rivalen aus dem Nahen Osten durchzusetzen. Lobbying gegen die Araber greift da zu kurz. Der Wettbewerb lässt sich nicht aufhalten.