JK Wohnbau arbeitet in München in einem paradiesischen Markt für Bauträger - mit knappem Angebot und steigenden Preisen. Binnen zwei Jahren konnte der Preis für Wohnungen in einem Vorzeigeprojekt um 20 Prozent erhöht werden.
Dennoch schreibt der in Bayerns Landeshauptstadt führende Bauträger rote Zahlen. Sonderfaktoren und hohe Kreditkosten zehrten 2010 und 2011 die operativen Überschüsse wieder auf. Es sind die Spätfolgen des Börsengangs vom Herbst 2010, der nach Andeutungen des neuen Vorstandssprechers Michael Haupt noch die Gerichte beschäftigen könnte.
So gebe es "erste Anzeichen für ein Verschulden", bei der Bilanzerstellung, sagte Haupt auf der Hauptversammlung in München. Die Verwaltung hat die Ex-Commerzbank-Bilanz-Chefin Corinna Linner vor wenigen Wochen beauftragt, intern und extern nach den Schuldigen für zurückliegende Bilanzfehler zu suchen, um wieder Millionen zurück zu holen. Vermutlich würden bis Jahresende die Ergebnisse vorlegen, sagte Haupt. Bekannt sind 21 Fehler in der Bilanz 2009, mit Folgen für die Bilanz 2010 und 2011.
Der seit Februar amtierende neuen JK Wohnbau-Chef Haupt versucht nach turbulenten Monaten, die Gesellschaft wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Für 2012 sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden, sagte er. Der Umsatz werde wie im Vorjahr bei etwa 155 Mio. Euro liegen.
Dabei stellt sich die Frage, ob JK Wohnbau tatsächlich zur Ruhe kommen kann. Auf der Hauptversammlung trat nämlich ein Rechtsanwalt auf, der die Interessen des im August 2010 angeblich bestellten Vorstands Winfried Kunz vertritt. Wie der Anwalt sagte, ist vor dem Landgericht München inzwischen ein Verfahren anhängig, ob Kunz noch ordnungsgemäß bestellt ist. Sein Anwalt behauptet, dass er noch Vorstand sei. Dies hätte nach Ansicht des Anwalts zur Folge, dass alle Hauptversammlungsbeschlüsse und die Bilanz 2011 zunächst nichtig sind, weil Kunz nicht mitgewirkt habe.
Vergeblich versuchte der Anwalt auf der Hauptversammlung eine Sonderprüfung über diverse Vorgänge zu erreichen. Im Mittelpunkt steht dabei der Schweizer Investor Norbert Ketterer, der kurz vor dem Börsengang die Hälfte der JK Wohnbau-Aktien übernahm und dessen Fonds die Geschäfte der Münchner Firma stützen. Dafür sind Zinsen von teilweise 23 Prozent fällig.
Aufsichtsratsvorsitzender Raimund Baumann warf den Anwalt vor, das eigentliche Ziel seiner von Insiderwissen gespickten Fragen sei, "möglichst viel Geld für seinen Mandaten" herauszuholen. Darauf entgegnete der Münchner Anwalt Thomas Mayrhofer: "Ich muss mir hier nicht räuberische Erpressung vorwerfen lassen". An die Adresse des Aufsichtsratsvorsitzenden gewandt sagte der Anwalt: "Prof. Baumann, das wird eng für sie - strafrechtlich."