Anders als bislang vermutet, soll zunächst Bruno Braun, Chef des TÜV Rheinland, den Konzern in der heißen Fusionszeit führen. Der 65-Jährige will das Amt erst zum 1. Januar 2010 an seinen TÜV-Süd-Kollegen Axel Stepken (49) abgeben und selbst dann den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen.
Die genaue Ausgestaltung des Zusammengehens wird derzeit noch geprüft. Das teilten die beide Prüfkonzerne am Mittwoch mit. Die Aufsichtsräte hatten den Weg für das Vorhaben am Tag zuvor frei gemacht. Fest steht jedoch, dass durch die Fusion der beiden Trägervereine und die folgenden Zusammenlegung der beiden Konzerne bis zum Jahresende ein Dienstleistungskonzern mit weltweit etwa 25.000 Mitarbeitern und mehr als 2,2 Mrd. Euro Umsatz entstehen soll. Und die Chefs beider Unternehmen versicherten, dass die Fusion keine Arbeitsplätze kosten wird.
Standort der Zentrale des fusionierten Konzerns soll München sein. Stimmen die Gremien der Trägervereine und die Kartellbehörden zu, soll die Fusion noch in diesem Jahr vollzogen werden. Der Fusionszeitplan sieht vor, dass bis Mai 2008 eine detaillierte Buchprüfung (Due Diligence) vorgenommen wird und das Prüfungsverfahren bei den zuständigen Kartellbehörden eingeleitet wird. Erst dann können die zuständigen Gremien dem Vorhaben zustimmen. Nach den Verwaltungsräten und Mitgliederversammlungen der Vereine sollen die Hauptversammlungen der Aktiengesellschaften bis Ende Juni den Zusammenschluss durchwinken. Wenn die Kartellbehörden der Fusion zustimmen, kann dann die Fusion der Vereine erfolgen.
TÜV Süd und TÜV Rheinland wären zusammen der zweitgrößte Prüfkonzern der Welt hinter der börsennotierten schweizerischen SGS. Die französische Bureau Veritas und den deutschen Marktführer Dekra (1,4 Mrd. Euro Umsatz) würden sie überholen. Die um die regionalen Technischen Überwachungsvereine (TÜV) herum entstandenen Dienstleister sind unter Zugzwang, weil der Markt der Prüfung und Zertifizierung von Industrieanlagen in diesem Jahr liberalisiert wurde. Eine Fusion von TÜV Süd und TÜV Nord war im vergangenen Jahr gescheitert.
Neben der Fusion der Vereine und der Konzerngesellschaften ist auch die Gründung einer gemeinsamen Stiftung mit Sitz in Köln geplant. Sie soll als unveräußerbarer, neutraler und unabhängiger Dritter Aktienanteile an dem neuen Konzern halten. Stiftungszweck soll insbesondere die Förderung des Ingenieursnachwuchses sein. "Als Arbeitgeber werden wir noch attraktiver für qualifizierte Fach- und Führungskräfte", sagte Braun.
Im Kampf um Marktanteile im Ausland wollen die bisherigen Konkurrenten aus Süd und West künftig ihre Kräfte bündeln. "Bei dieser Fusion geht es um internationales Wachstum", sagte Stepken am Mittwoch bei der Präsentation des Vorhabens. "Mit dem Zusammenschluss gewinnen wir deutlich an internationaler Schlagkraft und Reichweite", fügte Braun hinzu. Sein TÜV Rheinland, der schon seit fast 30 Jahren außerhalb Deutschlands tätig ist, liegt bei den Auslandsaktivitäten vorn. 40 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen bereits im Ausland, beim TÜV Süd sind es gut 25 Prozent. "Mit gebündelter Kraft wird es gelingen, internationale Wachstumsmärkte schneller auf- und auszubauen", sagte Stepken.