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Merken   Drucken   17.02.2012, 11:21 Schriftgröße: AAA

Tarifstreit in Frankfurt: Gewerkschaft droht mit längerem Flughafenstreik

Auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens wird gestreikt, zahlreiche Flüge fallen aus. Die Gewerkschaft plant für kommende Woche mit einer Fortsetzung.
© Bild: 2012 Reuters/ALEX DOMANSKI
Auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens wird gestreikt, zahlreiche Flüge fallen aus. Die Gewerkschaft plant für kommende Woche mit einer Fortsetzung.
Am Frankfurter Flughafen drohen auch kommende Woche Streiks der Flugfeldbeschäftigen. Wenn die Flughafen-Betreibergesellschaft Fraport  am Wochenende nicht einlenke, sei es wahrscheinlich, dass der Arbeitsausstand nächste Woche weitergehe, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft GdF am Freitag. Die Streiks könnten dann noch verschärft werden. Möglich sei etwa, den Flughafen von der Öffnung um 6 Uhr bis 23 Uhr zu bestreiken.
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Am Samstag und Sonntag werde aber voraussichtlich nicht gestreikt. Jeder Ausstand werde mindestens 24 Stunden vorher angekündigt. Die Gewerkschafter der GdF, in der die Vorfeld-Mitarbeiter organisiert sind, streiten sich seit Monaten um Lohnerhöhungen.
Am Freitag sorgte die von 8 Uhr bis 22 Uhr angesetzte Arbeitsniederlegung für große Behinderungen. Bisher seien von den Fluglinien bereits mehr als 280 der insgesamt rund 1.300 geplanten Flugbewegungen gestrichen worden, teilte Fraport mit. Der Flughafen gehe aber davon aus, am Freitag mindestens 50 Prozent des Flugbetriebs sicherstellen zu können.
Ein Flugreisender schläft in einer Abflugghalle des Flughafens von ...   Ein Flugreisender schläft in einer Abflugghalle des Flughafens von Frankfurt am Main.
Am Donnerstag hatten die Beschäftigten zwischen 15 und 22 Uhr die Arbeit niedergelegt. Dadurch seien 172 Flüge ausgefallen, teilte Fraport mit. Rund 70 Prozent der ab 15 Uhr geplanten Starts und Landungen hätten aber stattgefunden.
Die Flugfeld-Beschäftigte sind am Flughafen unverzichtbar. Sie sorgen etwa dafür, das Jets die richtige Parkposition finden. 200 von ihren legen nun Europas zweitgrößten Airport mit 70.000 Mitarbeitern teilweise außer Gefecht. Lufthansa und Fraport hatten sich seit vielen Tagen auf den Streik vorbereitet und zusätzliches Personal für die Arbeit auf dem Flugvorfeld geschult. Da viele Reisende innerhalb Deutschlands auf den Zug umstiegen, war in den Flughafen-Terminals von Chaos zunächst nichts zu spüren - kein Vergleich zu den Szenen von vor zwei Jahren, als wegen einer Aschewolke tagelang keine Maschine abhob und es kilometerlange Menschenschlangen vor den Schaltern gab.
Die Positionen in dem Tarifstreit zwischen GdF und Fraport sind verhärtet. Die Arbeit der Vorfeld-Kontrolleure ist mit der Eröffnung der vierten Landebahn in Frankfurt der GdF zufolge wesentlich anspruchsvoller geworden. Die Lohnentwicklung habe damit aber nicht Schritt gehalten, argumentieren die Arbeitnehmervertreter. Fraport hat die GdF-Forderungen als "extrem hoch" kritisiert. Sie liefen auf Entgelterhöhungen bis zu 70 Prozent hinaus. Auch ein Kompromissvorschlag des früheren Ersten Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust, der als Schlichter eingesetzt wurde, brachte keinen Durchbruch.
Die Wartehalle wird zum Schlafsaal.   Die Wartehalle wird zum Schlafsaal.
"Das Maß ist voll"
Fraport gehört mit zu den wichtigsten Drehkreuzen in Europa. Rund 1300 Flüge werden hier täglich abgefertigt. Die Konsequenzen spüren die Reisenden auch an allen anderen Flughäfen. Zehntausende Passagiere sind betroffen. "Das Maß aller Dinge ist voll. Das rücksichtslose Machtspiel von 200 Beschäftigten und der GdF schädigt den Luftverkehr und die Gesamtwirtschaft in unserem Land", kritisiert Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV in Berlin.
Der Flughafenverband ADV sieht in dem Versuch einer Minderheit, ihre Partikularinteressen auf Kosten der Gesamtbelegschaft und der Allgemeinheit durchzusetzen, ein Zeichen für die Berliner Politik. "Hier werden Belegschaften entsolidarisiert, der Betriebsfrieden gefährdet und das Gemeinwohl beeinträchtigt. Die Politik muss einem solchen Treiben einen klaren Riegel vorschieben. Das verantwortungslose Handeln von Spartengewerkschaften gehört unterbunden. Wir brauchen wieder das Prinzip "Eine Branche, Ein Tarifvertrag", so Beisel.
Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV beschreibt die Situation an den deutschen Flughäfen wie folgt: "Wir erleben eine Spirale nach oben. Die kleine Gruppe der Vorfeldlotsen fordert an allen Standorten dramatische Lohnzuwächse, teilweise über 50 Prozent. Zugeständnisse an einem Flughafen, führen am nächsten Standort sofort zu noch höheren Forderungen. Das ist eine unerträgliche Situation", so Beisel weiter.
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  • dpa, 17.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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