Bahnfahrer warten ab Wochenbeginn möglicherweise vergeblich auf ihren Zug: Die Lokführer wollen vorübergehend die Arbeit niederlegen. Unklar ist aber noch, wann und wo mit den Warnstreiks begonnen wird. Als sicher galt am Sonntag nur, dass von Montag an bundesweit Aktionen geplant sind. "Dies ist und bleibt gültig", sagte der Bezirkschef der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) für Berlin und Brandenburg, Frank Nachtigall. Es gebe noch keine andere Aussage oder Entscheidung.
In der "Bild am Sonntag" kündigte die GDL an, der erste Arbeitskampf werde nicht länger als drei Stunden dauern. Es werde "aber eine sehr wirksame Aktion sein", sagte Gewerkschaftschef Claus Weselsky. Zugleich drohte er mit einer Ausweitung des Arbeitskampfes zum flächendeckenden Streik. Kritik von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) an den Streikmaßnahmen verbat sich Weselsky: "Ich erwarte vom Minister, dass er sich nicht in Tarifverhandlungen einmischt." Ramsauer hatte die Lokführer ermahnt, Pendler dürften nicht als Geiseln herhalten.
Die GDL fordert einen einheitlichen Flächentarifvertrag für alle 26.000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr. Angeblich beginnen die Streiks in NRW. Die Bahn hielt der GDL unterdessen vor, das Unternehmen ohne erkennbaren Grund mit Warnstreiks zu überziehen. In einem "Spiegel-Online"-Interview kritisierte Personalchef Ulrich Weber die geplanten Aktionen als "willkürlich, unsachlich und wenig seriös". An eine Lösung in letzter Minute glaube er nicht. "Ich könnte mich auf den Kopf stellen und würde Warnstreiks nicht verhindern", sagte Weber. Seine Hoffnung sei, dass sich beide Seiten Ende der nächsten Woche endlich wieder zu Verhandlungen zusammenfänden. In der vergangenen Woche hatte die Bahn die Gewerkschaft wiederholt zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert.
Die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG warnte die Bahn davor, den GDL-Forderungen nachzugeben. "Wenn die Arbeitgeber der GDL einen besseren Abschluss als mit uns zugestehen, wird das weitreichende Konsequenzen haben", sagte der Vorsitzende der größten Bahngewerkschaft, Alexander Kirchner , dem "Tagesspiegel am Sonntag". Dann werde man Nachverhandlungen fordern und gleiche Bedingungen verlangen. Mit der EVG und den sechs großen regionalen Schienenunternehmen hatte sich die Bahn bereits am 17. Januar auf einen Branchentarifvertrag geeinigt. Die GDL wollte sich dem nicht anschließen.
Die Bahn rüstete sich sicherheitshalber für den Ernstfall: Um die Auswirkungen für die Reisenden so gering wie möglich zu halten, will sie mehrere Hundert zusätzliche Mitarbeiter einsetzen. Seit Samstag ist für den Streikfall eine kostenlose Hotline geschaltet. Unter der Rufnummer 08000/996633 können sich Fahrgäste über die konkreten Auswirkungen der Aktionen informieren. Kunden im Ausland erhalten Informationen unter 0049/1805 334444. Details sind auch im Internet zu erfahren.
Außerdem kündigte die Bahn an, Kunden ihre Fahrkarten zu erstatten, die wegen streikbedingter Zugausfälle, Verspätungen oder Anschlussproblemen ihre Reise nicht antreten können.