Marktanteile des Röst- und Instantkaffeegeschäfts in Osteuropa
"Wir verfolgen dort eine klare Wachstumsstrategie", sagte Kaffee-Vorstand Peter Wolf in Prag. Der Nettoumsatz in der Region von derzeit 500 Mio. Euro solle sich in den kommenden vier bis fünf Jahren verdoppeln. Dazu werde auch die Zahl der Verkaufsstellen deutlich erhöht.
Seit der politischen Wende Anfang der 90er Jahre treibt der Konzern seine Expansion in Richtung Osten voran. Weil die Nachfrage dort noch nicht gesättigt ist, verspricht sie ein höheres Wachstum als in Westeuropa. Außerdem haben die Unternehmen ihre Marktanteile im Osten vielfach noch nicht eindeutig untereinander aufgeteilt. Das gilt vor allem für Russland, wo besonders viele Anbieter im Kaffeegeschäft konkurrieren.
In den anderen osteuropäischen Ländern wie Ungarn, Polen oder Tschechien hat Tchibo nach eigenen Angaben bereits ein Viertel des Röstkaffee- und Instantmarktes erobert. "Es gibt hier kein exponentielles Wachstum, es geht um Verdrängung", sagte Wolf, der bei Tchibo auch für Osteuropa zuständig ist.
Hohe Reinvestitionen für Expansionsstrategie
Um für den Wettbewerb mit Konkurrenten wie
Nestlé (Nescafé) oder
Kraft Foods (Jacobs) gerüstet zu sein, investieren die Hamburger jährlich rund zehn Prozent der Erlöse in ihre Expansionsstrategie.
In Tschechien eröffnete Tchibo nach einem ersten Testlauf mit einer Filiale in Brünn vor kurzem auch ein Geschäft in Prag. Ob Freizeitschuhe oder Unterwäsche, in einem modernden Einkaufszentrum auf der grünen Wiese nahe Prags finden die Verbraucher das gleiche Angebot wie die Tchibo-Kunden hier zu Lande. Wenn es nach Tchibo-Vorstand Wolf geht, ist das erst der Anfang. "Sechs bis zehn Filialen im Jahr sind machbar", sagte er.
Die Kosten für eine neue Filiale werden auf 300.000 Euro veranschlagt. Derlei Investitionen dürften auch auf den Gewinn drücken. "Durch die Internationalisierung besteht ein hoher Investitionsaufwand", sagte Wolf dazu lediglich. Details zum abgelaufenen Geschäftsjahr sollen Anfang Juni präsentiert werden.
Präsenz wichtig für Wachstumsdynamik
Für Branchenkenner ist die Osteuropastrategie des weltweit fünftgrößten Kaffeeherstellers nachvollziehbar. "Für Tchibo macht es Sinn, dort präsent zu sein", sagte der Handelsexperte der Unternehmensberatung Mercer, James Bacos. "Wer hier nicht dabei ist, dem geht die Wachstumsdynamik verloren", sagte auch der Unternehmensberater Bernd Bothe von Droege & Comp. Osteuropa biete Tchibo sowohl von den Produkten wie den Preisen interessante Märkte. Entscheidend werde sein, ob es Tchibo gelinge, seine Distributionsstruktur schnell genug aufzubauen. "Denn das treibt das Wachstum", sagte Bothe. Derzeit besitzt das Unternehmen in Tschechien neben den beiden Filialen 63 Verkaufsstellen in Globus- und Kaufland-Supermärkten. Diese Zahl soll sich noch verdoppeln. Auch in Polen soll der Vertrieb von Küchengeräten und Sportbekleidung noch in diesem Jahr getestet werden. Auch Pläne, die derzeit bestehenden Coffee-Bars in Filialen umzuwandeln, gibt es bereits.
Dass Tchibo über seine Verkaufsstellen im Osten etwaige Überkapazitäten aus seinen Verkaufsaktionen auf den hiesigen Märkten absetzen könne, sehen Insider als weiteren Vorteil an. Erst vor kurzem hatte Aldi Süd die Eröffnung eines Restposten-Marktes in Deutschland für nicht verkaufte Ware angekündigt.